Früher oder später ist es soweit: Du hast einen Song gemacht und willst diesen jetzt im Netz oder sogar im Fernsehen präsentieren. Die normale MP3- oder OGG-Datei gibt es bereits kostenlos zum Download, allerdings willst du dein Werk noch visuell unterstreichen und brauchst deshalb ein schönes Musikvideo. Du hast nur keine Ahnung, wie man ein Musikvideo erstellt?
Dir kann hier geholfen werden:
Musikvideos sind oftmals der totale Bullshit, andersrum machen Leute wie Jonas Åkerlund wahre Kunst. Für das normale Haushaltsbugdet des Wohnzimmerproduzenten wird ein Musikvideo wie "Smack My Bitch up" oder "Scream" aber wohl unerreichbar sein, zumal Scream bis heute das teuerste Musikvideo aller Zeiten ist.
Zuerst einmal solltest du dir darüber im Klaren sein, was dein Song als Botschaft transportieren soll. Ein Liebeslied macht nicht viel Sinn, wenn im Video Menschenfolter oder heraushängende Gedärme zu sehen sind. Die Kunden erwarten bei so einem Song meistens visuell anregende Sonnenuntergänge, Hand-in-Hand-Aufnahmen, Küsse usw.
Einen Song wie "Smack my Bitch up" zu verfilmen ist deshalb schon relativ kompliziert, da es keinen Songtext gibt, an dem man sich orientieren könnte. Åkerlund hat es geschafft, die puren Emotionen des Liedes in einen wirren, aggressiven Drogentripp umzuwandeln. Überlege Du dir also sehr gut, wie dein Song rüberkommen soll.

Erstelle zuerst ein einfaches Drehbuch. Das ist ein total simpler Vorgang, da das erste Video vermutlich nicht unbedingt von tiefgreifender Story dominiert wird: Das Drehbuch umschreibt einfach, was der Zuschauer am Ende auf dem Bildschirm sehen soll. Die Kameramänner werden instruiert, was sie machen sollen und die Schauspieler sehen, wie deren Handlungen auszusehen haben. Zum Beispiel kann das so aussehen:
Der SÄNGER liegt auf einer weißen Fläche, sein Gesicht ist nicht zu sehen. Einzig die PUPILLE wird von der Kamera erfasst.
Zoom auf Pupille
AUGE blinzelt
MUSIK beginnt.
Langsam Zoom zurück, 16 Beats abwarten
Totale Gesicht Sänger.
SÄNGER: "You left me this morning..."
Location: Ein normales SCHLAFZIMMER. Es ist ungefähr 6 Uhr morgens, der SÄNGER liegt im Bett und SCHLÄFT. Dennoch SINGT ER mit GESCHLOSSENEN AUGEN
GIRLFRIEND schleicht sich aus dem Bett und packt LEISE die Sachen
TOTALE auf das Zimmer
SÄNGER: "...while I was deep asleep"
GIRLFRIEND: verlässt Zimmer
ZOOM auf SÄNGER GESICHT, Augen öffnen sich
SÄNGER vergießt eine TRÄNE.
Kamera verfolgt TRÄNE, die auf dem Teppichboden landet.
Und so weiter und so fort. Nachdem klar ist, was genau in dem Clip wann passieren soll, suche dir einen Zeichner oder male selbst ein einfaches Storyboard. Dieses Storyboard muss nicht schön sein, einfache Strichmännchen reichen, um den Darstellern und dem Kameramann zu zeigen, was genau sie eigentlich machen sollen.
Bringe dazu den Song auf CD mit an den Drehort und spiele ihn ab. Deine Band oder dein Sänger muss Playback dazu "singen", wobei das simple Mundbewegen reicht. Anschliessend muss das Video von der Kamera auf den Rechner: Inhaber von DVD-Kameras oder anderem Digi-Schnickschnack habens da einfach. Leute mit analogen Kameras sollten sich nen USB-Video-Grabber besorgen, den man simpel mit der Kamera verbinden kann.
Jetzt beginnt die heisse Phase. Du musst das Video schneiden. Da ich im Moment voll auf Linux bin, würde ich spontan KinoDV empfehlen. Dort gibt es Effekte, das Programm läuft ziemlich stabil und die Anleitungen sind auch okay. Ein einfaches Einführungsvideo für KinoDV findest Du übrigens hier.
Für die Windows-Benutzer reicht zumindest beim allerersten Video der Windows-Movie-Maker aus. Von den Effekten her ist das Programm nicht wirklich toll aber dafür läuft es einigermassen stabil.
Die meisten Videos haben zumindest einen Farbfilter und auch sehr oft einen Weichzeichner. Jashaka hat auch ein Keying-Modul.
Klar, die Musik soll irgendwie synchron mit dem Video laufen. Deshalb haben alle Videoprogramme die Möglichkeit, eine Zeitleiste anzuzeigen, in der das Lied geladen werden kann. In den meisten Videoprogrammen kann man an bestimmte Stellen des Songs Lesezeichen setzen und dann die Bilder an den Song anpassen. Ein häufig auftretendes Problem bei analogen Aufnahmen ist übrigens, dass das Video asynchron zum Song läuft, da die Kamera den Clip beim Grabbing evtl. nicht 100%ig genau wiedergibt. Im Normalfall kann man das Video aber langsamer oder schneller machen, damit es zum Song passt. Da das bei jeder Videoschnittanwendung anders läuft, kann ich hier nicht genau darauf eingehen.
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