Die CDU - der verwirrte Haufen

Die CDU - der verwirrte Haufen

Die Wahlen sind nun Vergangenheit und Frau Kramp-Karrenbauer hat sich dank Statements wie diesem hier ordentlich in die Nesseln gesetzt:

Es ist absurd, mir zu unterstellen, Meinungsäußerungen regulieren zu wollen. Meinungsfreiheit ist hohes Gut in der Demokratie. Worüber wir aber sprechen müssen, sind Regeln, die im Wahlkampf gelten. #Rezo #Youtuber

Quelle

Meine Frage ist jetzt, will Frau AKK das nun regulieren oder nicht? Aber gut, die macht ja eh, was sie will und wird von manchen schon als Provinzpolitikerin abgekanzelt. Sie setzt Homosexualität auch mit Inzucht gleich. Sie ist ein unverzeihlicher Hardliner und glänzt aktuell durch absolute Inkompetenz im Umgang mit dem Internet. Das macht sie aber ja nicht alleine. Die ganze CDU, die größte Volkspartei in Deutschland, dreht wegen eines Videos eines Youtubers (Rezo) völlig durch. Und tatsächlich kann ich nur sagen, dass die CDU wirklich alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann. Dabei geht es gar nicht mal darum, dass man das Ding zuerst fahrlässig ignoriert hat. Schlimmer wurde es, als die CDU das Video ignoriert hat und dann irgend jemand auf die Idee kam, ausgerechnet mit Phillip Amthor ein "Gegenvideo" zu drehen. Falls ihr den Amthor noch nicht kennt: Der ist schon optisch 100% konservativ. Ich will gar nicht oberflächlich sein, aber Philipp Amthor sieht aus, wie ein 70 Jahre alter Mann, gefangen im Körper eines 26-jährigen.  Die Zielgruppe vom Rezo ist definitiv irgendwo in Richtung links und punkig einzuordnen. Wenn dann so ein Klischeebankkaufmann ein Video machen soll, wird der Typ tatsächlich zerstört werden.

Tatsächlich scheint irgendwer von der CDU sich das auch gedacht zu haben, daher fand das Video so nicht statt. Das ist einerseits gut, weil der Spott und die Häme legendär geworden wären und andererseits eben ziemlich dumm, weil jetzt jeder wusste, dass die CDU was machen will, es aber nicht tut. Lustigerweise ist genau das eingetreten, was Rezo der CDU vorwirft. Sie sitzt alles aus und macht dadurch alles noch schlimmer.

Innerhalb eines Tages passiert dann noch etwas: Die CDU verfasste einen offenen Brief. Als PDF. "Wenigstens kein Word mit Wordart", war übrigens mein erster Gedanke, als ich von der schriftlichen Stellungnahme hörte. Wer das Schreiben dann gelesen hat, stellte fest, dass man hier konsequent Klimaschutz betrieben hat, denn auf Papier wäre dies ein ungeheurer Müllberg gewesen. Klar hat Rezo übertrieben und klar haben die von der CDU auch hier und da gute Sätze verpackt. Das Problem ist nur: Wirklich jeder weiß, dass die CDU den Klimawandel nicht ernst genug nimmt und jeder weiß, dass die CDU die Arbeitslosenzahlen zumindest teilweise frisiert. Selbst die von der CDU wissen das[*]. Jeder weiß auch, dass die Schere zwischen arm und reich wächst. Klar ist, jeder wurde reicher. Die Löhne sind überall gestiegen. Zwischen 1999 und 2016 um glatte 18 %. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Diejenigen, die vorher schon viel Geld verdient haben, verdienen noch mehr. 

Ich will aber gar nicht das Pamphlet der CDU kaputt analysieren, das können andere viel besser als ich. Es ist aber so, dass hier eine eher maue Verteidigung aufgezogen wurde und hier unprofessionell ein Schnellschuss rausgehauen wurde.

Ich weiß nicht, ob die CDU das Internet noch immer als eine Besonderheit abtut. Für mich und Generationen nach mir, ist das Internet ein ganz normaler Teil des Lebens. Ich bezahle online, ich informiere mich per Smartphone bereits vorm Betreten des Kinos/Restaurants, ob ich und der Laden Freunde werden. Ich nutze das Smartphone, um Texte zu übersetzen. Das Internet, insbesondere Suchmaschinen und Wikipedia, sind mein Langzeitspeicher. Wenn ich etwas nicht weiß, brauche ich 2-3 Minuten, um mir die aussagekräftigsten Links zum Thema zu suchen und ich bin mittlerweile wirklich verdammt gut, Problemstellungen in weniger als 4 Suchbegriffen zu umschreiben.

Für mich sieht es immer so aus, als ob für die CDU das Netz noch immer "Neuland" ist. Das ist fatal, sehr fatal sogar, denn das Internet selbst ist 1969 als Arpanet entstanden und das WWW, wie wir es kennen, gibt es auch schon seit 1991. Mit fast 30 Jahren ist das WWW definitiv kein Neuland mehr und es ist fatal, alles im Web als neuen Hype abzutun. Jugendliche und insbesondere Kinder sind es gewohnt, jegliche Information jederzeit abrufen zu können. Lineares TV ist für diese Generation schon lange nicht mehr interessant und Printmedien werden von Kindern und Jugendlichen auch nur noch genutzt, wenn wirklich gar nichts anderes mehr da ist.

DAS, liebe CDU, ist die kommende Wählerschaft. Diese Jugendlichen können sich überall Informationen beschaffen, weil es für sie völlig normal ist, Quellen zusammen zu tragen. Da bringt es auch nichts, sich über die blauen Haare eines "YouTubers" lustig zu machen. Das Video ist bei YouTube erschienen, weil man dort automatisch die größte Reichweite hat. Wenn das Video jetzt bei Instagram erschienen wäre, hätte vermutlich jeder den Rezo als "Instagrammer" bezeichnet. Oder als Twitteruser. 

Das Ding ist, dass einige jetzt auch noch sagen: "ah, der ist an einem linksgrünversifften Werbenetzwerk angebunden". Mal ehrlich: Was soll ein Videoproduzent machen? Natürlich braucht der einen erfahrenen Partner für seine Marketing-Aktionen und Stroer war immer schon offen für verrückte Konzepte.

Ich weiß echt nicht, wie ihr - liebe CDU - in Zukunft weiter machen wollt. Nur als Tipp: So wie jetzt, wird das nix.

Bild von Lukas Bieri auf Pixabay

Datum: 28.05.2019 Autor: Marcel Schindler

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