Die zweite Welle ist da - die Kultur und die Gastronomie leiden am meisten

Ich hatte hier bereits über die fatalen Folgen des ersten Lockdowns geschrieben. Tatsächlich gab es in Deutschland nie einen richtigen Lockdown, sondern es wurden bestimmte Bereiche unseres Lebens eingeschränkt. So mussten Restaurants schließen und am Anfang wusste noch keiner, wie brutal man sich dem Virus entgegen stellen musste. Völlig bescheuerte Vorschläge, wie die 800 m²-Regel für Geschäfte, wurden umgesetzt und im März hatten wir eine solide Mischung aus Panik und wildem Aktionismus.

Ich habe immer wieder gesagt, dass einige Lockerungen viel zu weit gehen. Insbesondere die Öffnungen der Schulen habe ich immer für Wahnsinn gehalten und tue das heute noch. Es ist weder menschlich noch technisch möglich, die Infektionsketten der Kids zurück zu verfolgen und tatsächlich will auch kein Kind bei 7°C Außentemperatur mit offenem Fenster Unterricht machen. Wir alle wussten schon im März, dass Kinder lediglich Überträger sind, aber das Virus in sich tragen und nach Hause bringen. Genau so läuft es im Moment auch, aber damit Mammi und Pappi arbeiten können, müssen die Kids weiter den Unterricht besuchen.

Die Gastronomie geht kaputt

Mein Stammgrieche hat mir erzählt, dass er Umsatzumbrüche von 40% hat und eigentlich Pleite ist. Der Restaurantbetrieb lief bisher auf Sparflamme und ich habe im Sommer gerne draußen gesessen. Danach habe ich mein Essen dort auch abgeholt. Die Mitarbeiter laufen immer mit Mundschutz rum, es werden nicht mehr alle Tische besetzt und die Speisekarten sind jetzt abwischbare, einlaminierte Zettel.

Es gibt also durchaus Sicherheitskonzepte, die mehr oder weniger gut funktionieren. Ich bin mir relativ sicher, dass man sich in einem Restaurant nicht mit Corona infiziert. Zumindest in den Läden, die ich besuche, wird das Abstandsgebot ernst genommen. Der erneute Lockdown zwingt die Restaurants wieder, Abhol- oder Lieferdienste zu etablieren. Das bedeutet aber auch, dass sämtliche Kellner:innen gefeuert werden.

Diskotheken gibt's bald nicht mehr

Die Discos konnten seit März nicht mehr öffnen, also quasi seit 7 Monaten. Diskotheken sind in der Regel große Gebäude mit hohen Pachten. Die Clubs sind mit teuren, wartungsintensiven Geräten vollgestopft, die einfach kaputt gehen, wenn sie nicht genutzt werden. In Diskotheken arbeiten zig Leute, vom DJ über die Thekenkraft bis hin zum Reinigungspersonal. Clubs zahlen GEMA, Vergnügungssteuer und andere Lizenzgebühren. Viele dieser Kosten laufen auch weiter, wenn der Club gar nicht mehr auf macht. Das Clubsterben war schon vor Corona ein echtes Problem, aber während es da noch irgendwie ein hausgemachtes Problem war, trifft Corona diese Menschen besonders hart.

Und auch Clubs haben sich Hygienekonzepte ausgedacht, die teilweise wirklich gut sind: Aufwändige Luftfilteranlagen, eingeschränkte Besucherzahlen und Körpertemperaturscanner waren nur einige Vorschläge, die von den Veranstaltern kamen. Es gibt Programme, die die Veranstaltungsbranche absichern sollen, bisher werden diese Programme aber eher halbherzig umgesetzt.

Komplizierte Konzerte und die Kosten

Die Veranstaltung von Konzerten wird von Solo-Selbstständigen und sehr kleinen Unternehmen gewuppt. Veranstaltungsfirmen bestehen oft nur aus 2-3 hochmotivierten Mitarbeitern, die wiederum viel mit freien Technikern, Rowdys, Lichtmenschen und Stagemanagern arbeiten. Wenn ein Konzert nicht stattfinden kann, gefährdet das sofort die jeweiligen Firmen, denn das Equipment stellen diese Firmen selbst. Das meiste Geld, was bei solchen Firmen erwirtschaftet wird, geht direkt wieder in neue Anschaffungen.

Lautsprecher, Mischpulte, Lichtanlagen und Bühnentechnik kosten viel Geld. Allein ein ordentliches Live-Mikrofon geht für 250 Euro über den Ladentisch. Diese Kosten werden aktuell überhaupt nicht erwirtschaftet

Die Künstler selbst gehen auch den Bach runter

Klar folgen wir alle den diversen Livestreams von Bands und Künstlern. An Livestreams verdient man sogar gutes Geld, wenn man schon einen großen Namen hat. Allerdings hängt das Geldverdienen von der Großzügigkeit der User ab. Bei Twitch kann man kostenpflichtige Abos abschließen, Bits spenden (Bits kann man in Geld umtauschen) und generell natürlich auch Spenden durchführen. Allerdings sind für einen erfolgreichen Livestream viele Faktoren notwendig: Du musst vorher schon eine gewisse Reichweite im Internet haben und wirklich verdienen kannst du erst bei 1000 Zuschauern, da ein Bit halt auch nur ein paar Cent entspricht. Für Indie-Bands ist das nicht machbar, unabhängig davon setzt Streamen als Band unfassbar viel Wissen voraus.

Forderungen

  • Restaurants zu schließen macht diese Betriebe kaputt. Viel sinnvoller wäre eine regelmässige Prüfung auf Einhaltung der Standards. Denn klar ist auch: Mit 100 Gästen verdient man mehr, als mit 50 Gästen.
  • Es ist zwingend notwendig, dass Clubs, Künstler, Stagehands und jedwedes Personal, das normalerweise in der Eventbranche/Gastro arbeitet, irgendwie Geld bekommt. Kredite sind nicht hilfreich. Gerade Kellner:innen können das doch gar nicht zurückzahlen.
  • Privatparties / alberne „Freiheitsdemonstrationen“ müssen stärker verfolgt werden. Demonstrationsrecht hin oder her, die Behauptungen, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird, sind einfach nicht richtig, daher gibt's keinen Grund, zu demonstrieren.

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