Ein Jahr Corona - was hat sich getan

Vor einem Jahr veröffentlichte die dpa diesen Text

„Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen. Bislang seien 27 Erkrankte identifiziert worden, berichtete die Gesundheitskommission der Stadt am Dienstag. Gerüchten im Internet, es könnte sich um einen neuen Ausbruch der Lungenseuche Sars handeln, trat die „Volkszeitung“ entgegen. Das Parteiorgan zitierte Experten, dass die Ursache gegenwärtig noch unklar sei.

Tagesspiegel

In dieser Zeit ist viel passiert: Millionen Infizierte, hunderttausende Tote, Entwicklung eines Impfstoffs und immer bessere Behandlungsmethoden gehören zu den Dingen, die wir alle in diesem Jahr wahrnehmen durften.

Doch in dieser Zeit sind noch ganz andere Dinge über unsere Gesellschaft klar geworden. Das Home-Office ist auf einmal möglich. Webdienste wie Microsoft Teams oder Zoom sind auf einmal allgegenwärtig. Jeder hat mittlerweile von VPN-Tunneln in die Firma gehört und mittlerweile wundert es niemanden mehr, dass Kinder in Videokonferenzen reinschneien. Was das betrifft, haben wir viele Schritte nach vorne gemacht.

Doch kennen wir nun auch Begriffe wie „systemrelevant“ oder „Kulturtod“. Wir müssen uns damit befasssen,  dass es Menschen gibt, die „querdenken“, also irgendwo Zusammenhänge zwischen der „Fake-Krankheit“ und Bill Gates sehen. Wir haben auf einmal mit Impfgegnern zu tun. Seltsame Esoteriker marschieren absichtlich ohne Maske durch die Innenstädte und wollen das Virus, falls es denn je existiert hat, mit Liebe und Glaube in die Schranken weisen.

Freundschaften litten oder sind ganz kaputt gegangen. Konzerte sind ausgefallen und außer Netflix haben wir keine Möglichkeiten mehr, aktuelle Filme zu gucken.

Es ist alles anders

Mir ist es mittlerweile wirklich unangenehm, wenn sich Leute in Filmen  umarmen. Ich finde es gruselig, wenn sich Leute einen Kuss geben. Ich weiche Leuten mit „Nasenpenis“ (auch so ein neuer Begriff) aus und ich fühle mich bedrängt, wenn jemand hinter mir seine Einkäufe auf das Band legt.  Ich streite mich mit Leuten darüber, dass ich sehr harte Bestrafungen für Menschen will, die unnötigerweise das Haus verlassen. Ich streite mit meinen Eltern darüber, dass meine Kinder meine Eltern nicht umarmen sollen. Ich will nicht, dass meine Kinder mit der Schuld leben müssen, ihre Großeltern getötet zu haben.

Aus der Richtung kommt dann aber: „Da passiert doch nichts“

Ich selbst bin kein Virologe. Ich weiß nicht, ob da was passiert. Also bin ich sehr vorsichtig.

Die Kulturbranche liegt mehr oder weniger zerstört am Boden. Virologen sind entweder zu Topstars geworden oder haben sich der Lächerlichkeit preisgegeben. Wir wissen jetzt, wie unfassbar egoistisch Menschen sein können, wenn sie - zum Wohle aller - nicht zum Friseur gehen dürfen. Wir wissen jetzt, wie viele verwirrte Menschen in unserer Welt herum laufen. In diesem Jahr haben wir gelernt, dass Klopapier, Nudeln, Mehl und Hefe irgendwie total wertvoll sind. Wir befassen uns mit Begriffen wie Inzedenzwert oder R-Faktor. Jeder von uns hat gelernt, was eine Inkubationszeit ist. Wir haben gelernt, dass es gut ist, eine Wissenschaftlerin als Kanzlerin zu haben und nicht  zuletzt wurde uns gezeigt, was für miese Machenschaften bei Fleischproduzenten an der Tagesordnung sind.

Hat uns das zu besseren Menschen gemacht? Leider nicht. Wir arbeiten noch immer nicht zusammen. Wir leben noch immer in einer Welt, die noch viel mehr in Zwietracht liegt, als vor der Pandemie und wir haben vor allem gelernt, uns gegenseitig nicht mehr zu vertrauen. „Du übertreibst doch, das ist nur eine Grippe“, ist noch das harmloseste, was ich mir anhören durfte. Eine Grippe tötet nicht so viele Menschen.

Wir haben als Gesellschaft versagt. Unser Geschäftsmodell des „sich regelnden Marktes“ und des „Kapitalismus“ funktioniert so nicht. Einerseits kann man nicht mehr arbeiten, weil man die Kollegen ansteckt. Andererseits soll man Arbeiten, damit es Produkte gibt. Damit man allerdings arbeiten kann, müssen die Kinder in die Schule abgeschoben werden. In der Schule wiederum wird von 6-jährigen erwartet, dass sie Abstandsregeln einhalten. Gleichzeitig bekämpfen einige Eltern die Maskenpflicht im Klassenzimmer mit der Argumentation, dass die Kinder doch keine Luft mehr kriegen würden. (Das ist übrigens Quatsch. Kinder kriegen Luft und akzeptieren vieles, wenn man es vorlebt) Trotz tausender Tote jeden Tag, wird man schief angeschaut, wenn man lieber Homeoffice machen will. Es gibt noch immer Menschen, die sich weigern die Masken zu tragen und offenbar geht es den meisten Menschen noch immer viel zu gut. Sie nutzen die Zeit, um auf völlig überfüllten Hängen Skifahren zu gehen.

Ich verstehe das nicht. Wir haben fast 2.000.000 Tote zu beklagen und dennoch ist es angeblich total wichtig, einen Ausflug zu machen.

Photo by Mufid Majnun on Unsplash


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Tags: corona politik
Kategorie: corona