Musikproduktion ohne DAW

Musikproduktion ohne DAW

Ein heutiges Musikstudio besteht mindestens aus einem PC, einem Audiointerface, Kopfhörern und/oder Lautsprechern und einer digitalen Audio Workstation (DAW) wie zum Beispiel Renoise, Cubase, Reaper, FLStudio oder Ableton. Dieses Setup gilt als das Minimum, was man heute für die Musikproduktion benötigt. Aber früher wurde ja noch ohne DAW produziert, also müsste das heute doch auch noch gehen, oder?

Was macht eine DAW

Screenshot Reaper

Eine DAW listet alle Aufnahmespuren nebeneinander oder untereinander auf. Jede Spur entspricht einem Instrument, einer Midi-Steuerungsspur oder Gesang oder sogar einem Video. Im Grunde spielt die DAW alle Spuren parallel ab. Im Mixer kann man Effekte dazu legen und die Lautstärke, sowie den Klang im Stereopanorama festlegen. Die DAW ist also quasi der Dreh- und Angelpunkt deiner Musikproduktion.

Geht es überhaupt ohne DAW?

Im April 1989 erschien Cubase auf dem Atari. Diese DAW steuerte über MIDI die angeschlossenen Geräte, wie zum Beispiel deinen Synthesizer oder einen angeklemmten Sampler. Das MIDI-Steuersignal sorgte dafür, dass alle Geräte gleichzeitig mit der Klangausgabe loslegten und man diese ganzen Instrumente aufnehmen und abspeichern konnte. Cubase ersparte dir also die Mühe, jedes Instrument zu spielen.

Es geht ohne DAW, aber…

Davor musste entweder jedes Bandmitglied gleichzeitig spielen oder man musste eine Bandmaschine benutzen. Bands wie die Beatles oder so saßen gleichzeitig im Studio. Jedes Instrument hatte ein eigenes Mikrofon, jeder Sänger ebenfalls. Jede einzelne Drum des Schlagzeugs wurde auch mit einem Aufnahmemikrofon versehen. Wenn Ringo, Paul, John und George gleichzeitig spielten, wurden alle Mikrofone in das Mischpult übernommen und dort saß dann ein Typ mit einem super guten Gehör und hat die Kanäle entsprechend lauter und leister gemacht.

Bei einer Bandmaschine kann jeder auch einzeln aufnehmen. Im Prinzip funktioniert es dann so:

  • Du nimmt auf Magnetband den Drummer auf, der den kompletten Song ohne die anderen durchspielt
  • Du spielst das Band ab und nimmst solo den Bassisten auf, der die Drumspur auf dem Kopfhörer hört.
  • Du spielst nun die Bänder mit Drum- und Bassspur dem Gitarristen vor, der wiederum auf einem neuen Band aufgenommen wird.
  • Anschließend nimmt der Sänger seinen Take auf.

Du brauchst also mindestens eine Bandmaschine, jede Menge Magnetband, ein paar Mikrofone (für Gesang braucht man andere, als für Drums), eine Gitarre, einen Synthesizer, ein komplettes Drumset, einen Bassisten, einen Dummer, einen Gitarristen, einen Sänger. Oder halt alles in weiblicher Form, wenn du eine Frauenband hast. Ein Mischpult wirst du auch brauchen, damit du die Lautstärke der einzelnen Magnetspuren

Der Aufwand ist gigantisch und die Kosten ebenso.

Aber elektronische Musik geht doch?

Jein. Wenn deine Synthesizer allesamt Midispuren speichern können und du einen Midicontroller hast, der alle Geräte gleichzeitig starten kann, musst du auch hier alle Signale durch ein Mischpult jagen und anschließend irgendwo aufnehmen oder sogar Samplen. Auch hier übersteigen die Kosten den tatsächlichen Nutzen.

Fazit

Musikproduktion ohne DAW ist machbar und sicherlich auch extrem spaßig. Aber letztendlich ist es auch selbst gewollte Quälerei, denn die DAW ersetzt Bandmaschinen, Sequenzer und dank virtueller Instrumente sogar die teuren Klaviere, Schlagzeuge und so weiter. Und eine gute DAW kriegt man mitunter für unter 100€.

Photo by Ingo Schulz on Unsplash


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Tags: daw reaper renoise music production
Kategorie: Musikproduktion
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