Sollte man Corona aussitzen oder normal weiterleben

Woche 3 im Homeoffice ist vorbei. Geändert hat sich nicht so wirklich viel für mich, was der Tatsache geschuldet ist, dass ich eh als Coder die meiste Zeit konzentriert auf irgendwelche Quellcodes starre. Aber um mich herum hat sich einiges geändert. Menschen werden scharenweise in Kurzarbeit geschickt und viele andere Menschen werden gerade wahnsinnig unglücklich. Aktuell ist das Gesundheitssystem noch nicht zusammen gebrochen, aber ich gehe davon aus, dass das noch passieren wird.

Ist Aussitzen der richtige Weg?

Den Begriff #flattenTheCurve muss ich niemandem mehr erzählen. CORVID-19 verteilt sich exponentiell. In einer Welt, in der die Leute frei Kontakt haben dürfen würde sich Corona in etwa so entwickeln:

Tag NEU Infiziert
1 1
2 2
3 4
4 8
5 16
6 32
7 64
8 128
16 32768
17 65536
24 16777216
Ein Monat 2.147.483.648

Finde ich persönlich jetzt eher nicht so geil. Die Bundesregierung hatte vor einigen Wochen ja schon gesagt, dass es vielleicht relativ sinnvoll wäre, soziale Kontakte soweit möglich einzuschränken. Das klappt mittlerweile relativ gut, denn tatsächlich halten sich die Leute wohl auch dran. Das Ziel dieser Einschränkung ist klar: Wir wollen nicht, dass sich alle auf einmal infizieren!

Das Ziel ist ehrenhaft und natürlich hilft eine Einschränkung der Kontakte, dass man sich nicht sofort überall ansteckt. Aber reicht das? Wenn wir alle zuhause bleiben, werden wir nicht krank. Das ist gut. Die Herausforderung ist nun aber, dass wir nicht alle immer zuhause bleiben können, denn irgendwer muss ja arbeiten gehen. Also wird es demnächst wahrscheinlich wieder Lockerungen des Kontaktverbotes geben.

Das führt aber dazu, dass sich wieder mehr Menschen anstecken und die Kurve sich nach hinten verschiebt: Das Gesundheitssystem ist also wieder überlastet?! Irgendwie muss man aus der Nummer doch rauskommen?!!11elf ­čś▒

Herdenimmunität?

Die UK und die USA haben es versucht: Ignorieren und die Leute bewusst erkranken lassen. Das hat auch nicht wirklich geholfen, denn jetzt sind alle möglichen Leute krank und da CORVID-19 eben nicht nur für alte Leute gefährlich ist, sind alle Krankenhäuser komplett überlastet. Funktioniert also auch nicht. Es gibt auch Geschichten von Menschen, die im Central Park verscharrt werden mussten, weil die Friedhöfe auch voll sind.

Die Wirtschaft kann das nicht abfangen. Gibt es gute Ideen?

Ich bin wahnsinnig beeindruckt von den kleinen Firmen, die hier wirklich alles mögliche tun, um nicht kaputt zu gehen. Restaurants, die früher „außer Haus“ eher nicht so gut fanden, haben sich zusammen geschlossen und machen nun zusammen mit Dönerbuden und Chinabistros gemeinsame Lieferdienste auf.

Sowieso bin ich positiv überrascht, wie „kreativ“ Firmen heute sind. Auf einmal können Masken gemacht werden. Es gibt Unternehmen, die ihre komplette Produktionskette umgebaut haben. Firmen, die früher Messestände gebaut haben, stellen jetzt Plexiglas-Schutzscheiben für Supermärkte her.

Ich liebe meinen Arbeitgeber ja dafür, wirklich schnell alles mögliche ins Homeoffice verfrachtet zu haben. Ich feiere das wirklich sehr. Mir ist aber dabei bewusst, wie prädestiniert ich bin, dass Homeoffice möglich ist. Die wahren Helden dieser Krise sind - mal wieder - die Leute, deren Güte und Mitgefühl die Welt im Gleichgewicht halten. Krankenpersonal, Kassierer*innen, Polizeipersonal, Arbeitsamtpersonal und eben auch die Leute in den Umschlaglagern, LKW und Zügen.

Wie fängt ein Dienstleistungsland, wie Deutschland, eine solche Krise ab? Was ist mit den Friseurläden, den Hundeschulen, den Boutiquen? Diese ganzen kleinen Minilädchen, die Innenstädte überhaupt erst gemütlich machen? Diese kleinen Buden werden am schlimmsten von der Corona-Krise getroffen. Da hilft auch ein Kredit nicht viel, denn bei Krediten besteht nun mal immer das Problem, dass man sie zurück zahlen muss. Wenn ich freiberuflich eine Website für 500 € vor der Krise basteln konnte, müsste ich nun 1000€ verdienen, damit ich die Schulden vom Vormonat abbauen kann. Das ist noch ein richtiges, großes Problem.

Die Welt wird eine andere sein.

Nach der Krise ist vor der Krise. Das Coronavirus wird man nicht ausrotten können. Ich bin kein Virologe, aber die Grippe kommt ja auch immer wieder. Bei Corona wird es auch so sein. Ich denke also, dass das bei Corona ähnlich laufen wird. Wir sind jetzt schon distanzierter. Das gefällt selbst mir nicht, obwohl ich Menschen ja nicht so wirklich mag.