Soziale Netzwerke sind scheisse und bekloppt

Alles begann am 09.12.19 als der SV Werder Bremen folgenden Tweet verfasste:

Auf dem Video sah man einen Papa und einen Sohn zum Werderspiel gehen. Da ich nur Söhne habe, wurde ich von dem Tweet angesprochen und fand da auch nix bei. Ich habe habe nicht mit den empörten Twitter-Usern gerechnet, die hier mal wieder eine Sau durch's Netz treiben wollten. Von "euer Tweet ist peinlich" bis hin zu "und warum wird nicht von Eltern gesprochen" war alles dabei. Ich habe lediglich gesagt, dass mich das überhaupt nicht stört, denn "Väter gehen mit den Söhnen" zum Fußball. Tun sie. 

Dabei geht's eben nicht darum, dass es auch Mütter gibt. Oder Adoptivkinder. Oder Töchter. Hier wurden die Väter angesprochen, die mit ihren Jungs zum Fußball gehen. So, fucking, what. Dann LASST SIE DAS DOCH TUN, VERFICKT NOCH MAL!!1 Aber nee. Bei Twitter sind sie wieder alle getriggert. Aber daran merkt man, dass soziale Netzwerke ein Schmelztiegel von Hass und Mißgunst sind. Das Thema ist doch mittlerweile scheissegal. Irgendwer ist immer angepisst und irgendwer kann sich grundsätzlich über irgendwas aufregen.

Was wäre wenn?

Diese ganze Scheisse bringt mich auf diverse "was wäre wenn"-Szenarios. Was wäre wenn die Ärzte heute eine Single wie "die fette Elke" herausgebracht hätten? Bodyshaming? Sexismus? Und was wäre wenn ein Film wie "L.i.s.a." heute rauskommen würde? Zwei Nerds, die sich ne langbeinige Schnalle bauen, weil sie anders nicht in der Lage sind, ne Frau anzusprechen? Die tiefere Bedeutung dieses Films würde heute doch keiner mehr verstehen. Das Lisa eine hochintelligente, smarte Frau ist, die ihre fucking Reize dazu einsetzt, dass ein junger Mann endlich seine Angst überwinden kann.

IMHO

Soziale Netzwerke haben ein generelles Problem: Jeder darf sich daran beteiligen und leider ist die Intelligenz für solche Netzwerke nicht messbar. Auch dumme, frustrierte pseudointerlektuelle Menschen, die angeblich für Gleichberechtigung und Feminismus stehen, vermuten hinter jedem Tweet Böshaftigkeit und Ignoranz. Da wird aus "Papas und Söhne" gehen zum Fußball eine Diskussion darüber, dass Frauen auch 2020 nicht ins Stadion gehen dürfen. Und Töchter dürfen das auch nicht. Dass die Realität genau anders aussieht und das gerade Werder Bremen gut organisierte weibliche Fans hat, wird ignoriert. Es ist ja auch zu schön, nem Fußballverein Frauenfeindlichkeit zu unterstellen.

Dass sich an dieser Diskussion auch Journalisten beteiligen und diese Aktion sogar von Journalisten an die Öffentlichkeit geholt wird, ist die eigentliche Peinlichkeit. Nochmal: Die TATSACHEN sprechen eine ganz andere Sprache, als ein einziger Tweet.

Ich warte noch auf den Tag, an dem sich ein Chipshersteller dafür rechtfertigen muss, dass "einmal gepoppt, nie mehr gestoppt" doch Vergewaltigungsfantasien und Sexsucht fördern würde.