Was bedeutet Artikel 13 eigentlich für Blogger

Was bedeutet Artikel 13 eigentlich für Blogger

Das EU-Parlament macht ja häufiger nur Quatsch. Meine persönliche Theorie ist ja auch, dass in das EU-Parlament die Leute aus den Länderparteien verfrachtet werden, damit sie keinen Quatsch in Deutschland und Co aushecken. Aber jetzt läuft es ja darauf hinaus, dass die Entscheidungen des EU-Parlamentes wichtiger werden. So ist es mit der albernen DSGVO geschehen und so wird es auch mit Artikel 11 und Artikel 13 bzgl. des Urheberrechtes geschehen.

Leider werden die Debatten zu den beiden Artikeln immer extrem emotional geführt. Einerseits gibt es die Konzerne, wie Facebook oder insbesondere YouTube. Diese Firmen leben davon, dass User irgendwelche Sachen als Memes (lustige Bilder mit lustigen Texten) oder eben auch Videos hochladen. Ein strengeres Urheberrecht soll sicherstellen, dass die User nicht einfach einen Filmausschnitt von ihren DVDs kopieren und dann irgendwo hochladen. Im Grundsatz ist das auch illegal und muss irgendwie unterbunden werden. Jetzt ist es aber so, dass bei Youtube jeden Tag Videos hochgeladen werden. Pro Minute 400 Stunden Video. Ein Mensch, selbst eine große Mengen von Menschen, kann das unmöglich kontrollieren.

In den Artikeln stehen dann sinngemäß solche Absätze

Kommerzielle Webseiten und Apps, wo Nutzer*innen Beiträge veröffentlichen können, müssen „bestmögliche Anstrengungen“ unternehmen, vorab Lizenzen zu erwerben für alles, was ihre Nutzer*innen möglicherweise posten könnten – also: alle Inhalte der Welt, die unter das Urheberrecht fallen.

„Bestmögliche Anstrengungen“ ist nicht einmal genau definiert. Gehen wir mal davon aus, dass Firmen wie Facebook und Google unendlich finanzielle Ressourcen haben. Die könnten also ganze Städte einstellen, damit die 20.000 Einwohner dieser Städte diese Daten sichten. Praktisch wissen wir, wird nie passieren.

Viel spannender für Blogger ist aber, dass wir zukünftig Schwierigkeiten bekommen werden, wenn wir etwas zitieren möchten. Ich zitiere hier das hier:

Die Wiedergabe von mehr als „einzelnen Worten oder sehr kurzen Textausschnitten“ von Nachrichten wird eine Lizenz erfordern. Darunter fallen wahrscheinlich viele jener Anreißer, die heute üblicherweise als Teil eines Links angezeigt werden, um darzustellen, wohin dieser führt. Gerichte werden letztendlich interpretieren müssen, was „sehr kurz“ in der Praxis heißt – bis dahin wird beim Setzen von Links (mit Anreißern) große Unsicherheit herrschen.

Keine Ausnahmen selbst für Dienste, die von Einzelpersonen oder Kleinunternehmen betrieben werden – darunter fallen wahrscheinlich auch Blogs und Webseiten, die auf irgendeine Weise monetarisiert werden (also Werbung enthalten o.Ä.).

Konkret bedeutet das, wenn ich einen Link auf eine externe Webseite setze, Zum Beispiel auf einen Artikel über das Urheberrecht, würde ich ja nicht nur LINK schreiben, sondern vermutlich mindestens den Titel des Links verwenden. Wenn ich also auf die Headline: „Dackelzuchtverein züchtet Riesenpfirsisch“ einer sehr urheberrechtsgeilen Zeitung verlinke, riskiere ich zukünftig einen Urheberrechtsverstoß.

Blogs leben davon, dass man Links setzt. Früher war die Pingback-Technologie von verbreitet. Wenn ich also auf einen Blog von jemand anders verlinkt habe, wurde von dessen Blog ein Link zu mir gesetzt. Das wäre nach dieser Definition mindestens problematisch, wenn nicht sogar illegal.

Als Musiker muss ich vermutlich zukünftig jedesmal beweisen, dass ich der Urheber meiner eigenen Songs bin. Das ist ein ziemlich nerviger Prozess, auf den ich keine Lust habe. Die Remixkultur wird unter den Upload-Filtern massive Probleme kriegen. Selbst wenn der Remix von Song XYZ erlaubt ist, muss eine künstliche Intelligenz das Ding als legalen Remix erkennen können. Oft sind Remixes sogar bekannter, als die originalen Versionen.

Wenn man guckt, WER tatsächlich vom Artikel 13 und vom Artikel 11 profitiert, weiß man auch, woher der Wind weht. Tipp: Hinter den strengen Zitatrechten steckt eine Firma, die dafür bekannt ist, immer wieder zu versuchen, ein „Leistungsschutzrecht“ durchzuboxen. Diese Firma hat damals übrigens auch durch Meinungsmache Streetview in Deutschland vernichtet. Ja: Springer Verlag, ich rede mit DIR.

Das EU-Recht ballert Europa und Europas Bloggerszene auf direkten Weg ins Mittelalter zurück. Ganz bescheuert.

Geht auf die Straße, demonstriert und wählt vor allem Parteien, die sich mit dem Internet auskennen. Das sind in der Regel übrigens NIEMALS konservative Parteien oder auch Koalitionspartner von Konservativen. (die AfD werte ich hier mal als erzkonservativ)

(Zitatblöcke von Julia Reda)

Datum: 27.05.2019 Autor: Marcel Schindler

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