Was ist Linux

Was ist Linux

Was ist Linux eigentlich? Was kann man mit Linux machen? Und wieso ist Linux so kompliziert? Ist Linux als Alternative zu Windows zu gebrauchen und warum ist das eigentlich nicht überall vorinstalliert?! Ich versuche, all diese Fragen in diesem Blogpost zu beantworten und vor allem zu erklären, warum Linux tatsächlich doch das meistgenutzte Betriebssystem ist und ihr es nur nicht merkt…

Was ist Linux eigentlich?

Der finnische Programmierer Linus Torvalds hatte in den späteren 80ern die Idee, ein Betriebssystem für Heimcomputer zu erstellen, das sich von der Haptik an UNIX-Systemen aus den Universitäten anlehnte. Er wollte eigentlich nur austesten, wie man den 80386-Prozessor effektiv nutzen kann und wie man möglichst viel vom RAM vernünftig nutzen kann.

Von Anfang an war der Quellcode von Linux offen und jeder konnte an dem Betriebssystem mitarbeiten, neue Treiber programmieren, neue Programme dazu legen und das System verbessern. Parallel gab es das GNU-Projekt von Richard Stallman, welches es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Unix-Programme für verschiedene Unix-Systeme zu portieren. Trotz diverser „Grabenkämpfe“ wurde es tatsächlich möglich, Unix-Tools aus dem GNU-Fundus unter Linux zu nutzen.

Seit 1991 gibt es Linux, seit 1992 gibt es sogar grafische Oberflächen für Linux und seit 1993 gibt es Debian-Linux, eine der ältesten Linux-Distributionen, die auch heute noch im Einsatz sind.

Manjaro Linux
Manjaro Linux. Eine Distribution.

Was ist eine Distribution?

Stark vereinfacht ist eine Distribution ein Linux (das eigentliche Betriebssystem bzw. der Kernel) in Kombination mit diversen Programmen. Eine Distribution ist eine bunte Wundertüte mit Programmen und Werkzeugen, die sich an bestimmte Zielgruppen wenden. Debian, beispielsweise, versucht möglichst stabile Programme in einer Installation zusammenzufassen. Dabei geht es hier darum, dass der Rechner einfach nur seinen Job macht und das die verwendeten Programme ausführlich getestet wurden.

Man kann eine Distribution nehmen und Programme austauschen und durch eigene Versionen ersetzen. Ubuntu basiert auf Debian, allerdings verfolgt Ubuntu den Ansatz, dass die Programme aktueller und nicht ganz so lange gestetet wurden und dass viele Dinge, die man bei Debian händisch einstellen muss, in Voreinstellungen schon hinterlegt sind.

Es gibt auch Distributionen, die speziell auf Schulungszwecke oder Serverdienste zugeschnitten sind.

Was kann man mit Linux machen?

Was ist ein Betriebssystem eigentlich?

Ein Betriebssystem steuert, wie die Software (also zum Beispiel der Browser, mit dem du diese Seite betrachtest) und die Hardware zusammenarbeiten. Das Betriebssystem teilt der Grafikkarte mit, wie die Schriften aussehen sollen oder was passieren soll, wenn Du eine Taste drückst oder die Maus bewegst. Dabei ist es der Hardware prinzipiell erstmal egal, welches Betriebssystem du nutzt: Windows macht diesen Job, Linux macht das, Unix oder MacOS machen das auch.

In der Regel laufen aber nicht alle Betriebssystem auf allen möglichen Rechnern. MacOS ist so dicht an die Hardware von Apple gekoppelt, dass es nur unter großem Aufwand auf anderen PCs läuft. Windows und Linux setzen voraus, dass du einen x86-Prozessor verwendest. Linux läuft allerdings auch auf anderen Prozessortypen, wie zum Beispiel ARM-Prozessoren.

ARM-Prozessoren sind auch in Smartphones verbaut, daher läuft Linux auch auf dem Handy. Dort hat die Firma Google einen Linux-Kernel umgebaut und das ganze dann Android genannt.

Was kann Linux?

Da Linux auf normalen PCs funktioniert, kann ein Linuxrechner alles, was ein Windowsrechner auch kann. Emails, Videos, Spiele, Office und Softwareentwicklung ist überhaupt kein Problem. Sehr viele Programme, die du von Windows her kennst, gibt es auch unter Linux: Den Browser Firefox oder Chrome, Libre Office, Microsoft Teams, Steam zum Spielen, VLC zum Videos gucken, Visual Studio Code zum Programmieren.

Allerdings laufen Windows-Programme nicht direkt unter Linux, sondern es gibt die speziellen Versionen (Dieselautos fahren ja auch nicht mit Strom) und je nachdem, wie groß das Softwarehaus ist oder wie viel Interesse das Softwarehaus hat, gibt’s eine Linux- UND eine Windowsversion oder eben nicht. Die typischen Beispiele sind Photoshop oder Microsoft Office. Beide Suiten gibt’s nicht unter Linux, also kann Linux tatsächlich kein Photoshop. Mit ein wenig Recherche gibt’s mehr oder weniger brauchbare Alternativen, aber Linux ist eben Linux und kein Windows.

Linux hingegen glänzt mit Funktionen, die Windows gar nicht oder erst viel später erhalten hat: Ein sehr gut durchdachtes Benutzermanagementsystem, viele verschiedene Dateisysteme mit jeweiligen Vorteilen, komplett konfigurierbare Desktops und einer sehr hohen Stabilität. Nicht zuletzt ist Linux aufgrund dieses Konzepts von Grund auf ziemlich sicher.

Ist Linux kompliziert?

Ist es kompliziert „Automatik“ zu fahren, wenn man es nicht gewohnt ist? Ist es kompliziert, von Iphone auf Android umzusteigen? Ich würde behaupten, dass es insofern kompliziert ist, weil man Dinge anders machen muss, als man es gewohnt ist. Wenn man ewig nur per Schaltung gefahren ist, kommt garantiert mal der Punkt, bei dem man sowohl auf das Gas, als auch auf die Bremse latscht. Einfach, weil man es gewohnt ist. So ähnlich ist es bei Linux. Manche Einstellungen sind versteckt und weil man es von Windows auf die eine Art gewohnt ist, wird Linux gleich für kompliziert gehalten. Tatsächlich sind einige Konzepte aber bei genauerer Betrachtung viel logischer.

Kann Linux als Alternative zu Windows dienen?

Definitiv ja! Es ist nur so, dass man das auch wirklich wollen muss.

Was nicht so richtig geht

Ich erwähnte oben ja bereits, dass es vermutlich niemals Photoshop für Linux geben wird. Falls du also in einer Agentur arbeitest, die sich auf Photoshop oder InDesign verlässt, wirst du mit Linux nicht glücklich werden. Falls Du exzessiver Zocker bist, ist Linux für dich auch nur eingeschränkt zu empfehlen, da die meisten Spiele speziell für Windows programmiert wurden. Linux-Versionen werden von den meisten Game-Entwicklern ähnlich stiefmütterlich behandelt, wie Mac-Versionen. Mit einigem Fachwissen kann man zwar viele Windows-Spiele auf Mac und Linux zocken. Aber tatsächlich ist das so, als würde man versuchen, mit einer Kettensäge sein Brot zu schmieren.

Was richtig gut geht

Der ganz normale Kram funktioniert super unter Linux. Ich kann im Web surfen, Netflix gucken, meine Emails lesen, programmieren, meine Briefe schreiben, Fotos bearbeiten (aber eben nicht in Photoshop sondern mit anderen Programmen, die ähnlich cool sind). Mit Pandoc und nem einfachen Texteditor kann ich sogar wissenschaftliche Texte so formatieren, dass sie 1000 mal cooler aussehen, als in jedem Office-Programm. Nicht zuletzt ist Linux als Backup-Server, Webserver, Homeserver oder sogar private Firewall unschlagbar. Die Spiele, die es nativ für Linux gibt, laufen extremst stabil und auch nicht langsamer, als die Windows-Versionen.

Ich muss bei Updates nicht booten und mein Betriebssystem ist komplett kostenlos für mich. Außerdem wird Linux niemals langsamer.

Warum ist Linux nicht überall vorinstalliert, gerade wenn es doch so toll ist?

Ganz einfach: Weil Windows vorinstalliert ist. Der Markt richtet sich nach der Nachfrage und Lieschen Müller kennt nur Windows. In Schulen wird Windows gelehrt. Die meisten Mäuse, Grafikkarten, Drucker und so weiter werden damit beworben, dass die unter Windows funktionieren. Windows ist omnipräsent und der normale Anwender will einen PC von der Stange, der zuhause eingeschaltet wird und mit etwas läuft, dass man kennt.

Tatsächlich ist es leider so, dass man eine Lizenzgebühr bei jedem PC bezahlt, weil Windows vorinstalliert ist: Theoretisch könnte man im Laden sagen: „Ich kaufe den Laptop, aber ich will 50 Euro weniger zahlen, wenn ihr Windows nicht mitliefert!“

Das macht nur keiner. Nerds, wie ich, laufen los und zahlen die Windows-Gebühr. Zuhause wird der Rechner dann geplättet und Linux installiert. Die Installation ist nicht besonders schwierig, aber Otto Normalverbraucher hat da keine Lust zu.

Warum Linux trotzdem das meistgenutzte System ist

Raspberry PI
Der Raspberry PI. Ein Kleinstcomputer, auf dem Linux läuft

Linux ist unglaublich klein. Je nachdem, was zur Distribution dazu gepackt wird, kannst du Linux von einem 50 MB - USB-Stick booten und hast trotzdem eine komplette Officelösung und einen Browser dabei.

Der reine Kernel mit ein paar Hardware-Treibern ist sogar in ein paar Kilobyte zu verpacken. Je nachdem, was die Hardware benötigt, wird nur das in dem Kernel mitgeliefert. Das bedeutet zum Beispiel, dass dein Bluray-Player lediglich Pakete mitbringen muss, die Bluray-Medien abspielen können. Das bedeutet, dass dein Autoradio einen Treiber für GPS-Navigation, MP3 und Telefonhardware mitliefern muss.

Linux läuft auf den meisten Nicht-PC-Geräten als Betriebssystem: Smart-TVs, Heimüberwachungsanlagen, Smartphones, Tablets, medizinischen Geräten, in der Küche und in Robotern. Kleinstcomputer wie der Raspberry PI verwenden Linux und laufen so als Emulatoren und Heimkinoanlagen.

Fazit

Gib Linux eine Chance. Wirklich. Das lohnt sich.


Autor: Marcel Schindler
Datum: 03.01.2020