Wie mixt man einen Song richtig

Wie mixt man einen Song richtig

Du kannst einen richtig tollen Song schreiben, aber der finale Mix klingt irgendwie nach Grütze? Willkommen in meiner Welt. Tatsächlich scheitern 70% aller Songs von mir an der Tatsache, dass ich mir den Song anhöre und er entweder keine Struktur hat oder weil der Song einfach am Ende des Tages scheisse klingt: Nicht vernünftig ausbalanciert, alles irgendwie matschig und viel zu fucking leise.

Dir kann geholfen werden. Nachdem mir das bis jetzt auch immer wieder passiert ist, habe ich beschlossen, Komposition mal Komposition sein zu lassen und mich ausnahmsweise mal nicht um die Melodie zu kümmern.

Präsenz erhöhen oder sauberer Mixen

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Bass nicht tief genug ist, dann doppel die Bassspur und spiele den Bass einfach noch eine Oktave unten drunter nochmal. Wenn dir die Streicher / Flächen nicht hoch genug sind, dann mach einfach eine Spur, in der die ganzen Streicher nochmal eine Oktave drüber liegen oder aber spiele die selbe Melodie parallel auf einer anderen Spur mit noch einem anderen Instrument. Falls die Mitten nicht sauber klingen, versuche hier auch mal weniger zu layern. Nimm also Spuren raus. Du kannst in einer modernen DAW wie zum Beispiel Reaper extrem viele Spuren verwenden und diese nach Lust und Laune doppeln/ausblenden/muten.

Reaper

Niemals übersteuern / Levels

Expressions

Grundsätzlich solltest du bei Midi-Geräten den Expression-Controller nutzen, wenn du mit Streichern oder Flächen arbeitest. Zum einen erzeugt dies natürlichere Sounds, weil ein echter Violinist tatsächlich mal leiser und mal lauter spielt und zum anderen hast du eine zusätzliche Kontrolle, parallel zum Mixfader, wie laut deine Sounds tatsächlich klingen. Gerade wertige VST-Plugins klingen dann auch einfach anders, wenn weniger Expression drauf ist, was dir viele Möglichkeiten gibt, deinen Sound flexibler zu gestalten. Nebenbei lege ich immer noch gerne einen Limiter auf den Masterkanal, um übersteuern grundsätzlich zu vermeiden.

ExpressionWheel - ich muss mal staubwischen

Equalizer

Equalizer von TDR unter Renoise

Soloinstrumente

Die Aufgabe eines Equalizers ist es, bestimmte Frequenzen eines Sounds hervorzuheben oder abzusenken. Konkret heißt das: Du hast zum Beispiel einen Synthesizer, der als Lead-Synth eine Hauptmelodie spielt. Allerdings soll dieser Synth ein wenig klarer klingen. Also erhöht man ein wenig die Höhen. Jedes Instrument hat allerdings auch ein leichtes Brummen, was allein gar nicht auffällt, aber den Mix matschig macht.

Es ist eine gute Idee, die Spur solo abzuspielen und den EQ ein wenig hin und her zu schieben, bis du eine Änderung im Klang wahrnimmst.

Bei Bass-Sounds machst du dir eine Art umgedrehtes U im EQ und schiebst es so lange hin und her, bis der Bass größtenteils nur noch aus den Frequenzbereichen besteht, die du für deinen Mix brauchst.

Masterkanal

Es ist, je nach Genre, auch nicht die schlechteste Idee, Bereiche unter 50 hz wegzufiltern, da diese im Grunde genommen nur den Lautsprecher vibrieren lassen.

Stereo

Darkdoc, Public domain, via Wikimedia Commons

Benutze Stereo. Stereo ist dein Freund. Eine Band hat immer einen bestimmten Aufbau, ein Orchester auch. Stelle deine Instrumente in deiner DAW so ein, dass sie einem Aufbau einer Band ähneln und zwar aus Sicht des Sängers oder Dirigenten. Die Geigen sind eher links, Bässe gehen nach hinten Raus, Flöten und Oboen sind mehr oder weniger direkt vor dir. Bei einer Rockband ist der Drummer in der Mitte, der Bassist eher auf der rechten Seite, die Gitarre flippt meistens weiter links rum. Nutze diese Aufteilung, der Klang wird es dir danken.

Kompressor

Der Kompressor soll die Dynamik deines Songs positiv beeinflussen. So fühlen sich leise Passagen lauter an und laute Passagen ballern nicht voll aus den Lautsprechern. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Kompressor sinnvoll zu nutzen und diese sind auch abhängig vom Genre, welches du bedienen willst. Aus Clubhits kennst du vielleicht diesen pumpenden Sound, wenn die Kickdrum den Rest leiser macht. Bei klassischer Musik wird extrem wenig komprimiert.

Die Abbildungen zeigen ein unkomprimiertes Signal sowie auch ein komprimiertes Signal. Jetzt könnte man meinen, dass das unkomprimierte Signal wesentlich leiser ist: Ist es aber tatsächlich nicht. Die grundsätzliche Lautstärke ist in dem Fall höher, weil die Spitzenwerte automatisch leiser gemacht wurden und die leisen Werte lauter.

Wer kenn es nicht: Explosionen im Film sprengen einem die Ohrmuscheln weg, während man bei Dialogen die Lautsprecher bis zum Anschlag aufdrehen muss. Komprimierung ist im Grunde genau genommen der Typ, der deinen Fernseher automatisch lauter und leiser macht.

Unkomprimiertes Signal Komprimiertes Signal

Hall

Im Normalfall nimmst du in einem kleinen Raum auf. Der Artikel hier richtet sich jedenfalls an die Leute, die keine große Halle haben. Wenn du also in deinem Schlafzimmer sitzt und Gitarre spielst, wird das relativ "dry" klingen und im schlimmsten Fall ziemlich langweilig. Du musst dir immer wieder vorstellen, an welchem Ort deine Instrumente normalerweise wären. In einem fetten Stadion? Dann muss es auch nach fettem Stadion klingen. Aber natürlich gilt: Weniger ist mehr. Aber "trocken" sollten die Sounds normalerweise nie klingen.

Referenztrack

Im Normalfall erfindest du ja keinen brandneuen Track oder sogar ein brandneues Genre. Also höre dir einen Track an, der so ähnlich ist, wie dein Song.

Pause

Gönne deinen Ohren eine Pause. Immer wieder.

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Tags: mixing
Kategorie: Musikproduktion