Wo sind die weiblichen Producers und DJs

Ah, der Louvre. Ein wunderbares Museum mit den wichtigsten Kunstwerken, die weiße Männer je gemacht haben: Die Mona Lisa, die Statuen von Michelangelo, die Gemälde von Van Gogh. Diversität gab es bei den „alten Meistern“ nicht, daher nannte man sie auch die alten Meister. Aber wir sind doch jetzt im Jahr 2020, also muss sich die Kunst doch verändert haben!

Nein, hat sie nicht. Wenn wir heute Talkshows gucken, gibt’s Oprah und Ellen, doch die Late-Night-Show ist stark von Männern dominiert. Wenn wir Musik hören, gibt es durchaus Stars wie Adele und Madonna, aber wenn wir Statistiken auswerten, ist deutlich erkennbar, dass die Charts der großen 3 (Spotify, Billboard und Apple) ganz klar von männlichen Protagonisten dominiert werden. Und selbst bei den Frauen sitzen im Hintergrund oft Männer im Studio, so ist der gute Shit von Britney Spears durch nen Typen namens Max Martin produziert worden.

Im Dance-Sektor sieht das nicht anders aus: Marusha kennt hier jeder, aber bei Acts wie Krewella, Alison Wonderland oder Tokimonsta erntet man erhobene Augenbrauen. Und dabei sind das schon die bekanntesten internationalen DJ-Acts. Ist es jetzt so, dass es keine weiblichen DJs gibt? Oder gibt es keine weiblichen Producer?

Gemäß einer Studie des Annenberg-Institutes sind gerade mal 2.6 % aller Produzentinnen weiblich. Lächerliche 12 % der „bekannten“ Songwriter sind weiblich und in den Charts gibt es tatsächlich ein Verhältnis von 80 % Männer zu knapp 20 % Frauen. Wenn man jetzt noch die sogenannte Rasse mitnimmt, ergibt es traurige 0,8 % farbiger Frauen im Produzenten-Job.

Die Studie habe ich hier für euch verlinkt. Aber lassen wir das Producer-Dasein mal aussen vor: Konzentrieren wir uns auf die weiblichen DJs. Wo sind die Ladies?

Ich persönlich hatte das Glück, talentierte Newcomerinnen an den Decks zu sehen. So sehr ich das auch gefeiert habe, so sehr ich auch mit den Frauen gefeiert habe, so schnell waren die Frauen auch wieder weg aus der Szene. Warum sind talentierte Frauen, wenn überhaupt, nur sehr kurz in der Dance-Szene aktiv? Oder geben die Frauen einfach auf? Oder werden sie gar nicht erst gebucht?

Als ich meine ersten Gigs spielen wollte, habe ich unfassbar viel gebettelt. Ich wollte Gigs und ich wollte mir einen DJ-Namen machen. Dabei hatte ich das Glück, DJs zu kennen, die ein gutes Wort für mich einlegten. Ich hatte das Glück, dass ich als Typ unter vielen anderen Typen am Anfang nur gut und später teilweise sogar besser war.

„Wir buchen gute DJs“, war das Credo der Clubbetreiber. Und diese Clubbetreiber fragten ihre Resident-DJs, ob sie jemanden kennen. Im Freundes/Bekanntenkreis waren und sind das hauptsächlich Männer. Frauen müssen sich als DJ extrem viel mehr beweisen und ich begründe auch gerne, woran das liegt:

Meine DJ Skills an Vinyls waren immer gut, aber sie waren nicht berauschend. Ich kann saubere Übergänge, ich kann mit dem Publikum spielen, als wären sie mein Instrument. Die Crowd geht mit meinen Sets mit und im Normalfall war und bin ich aber relativ unscheinbar hinter meinen Decks gewesen. Der Song musste schon megamässig abgehen, damit ich auch ein wenig gejumped bin. Meistens passierte das zum letzten Drittel meiner Sets, weil ich dann lockerer wurde. Ich war der Nerd an den Decks und ich war glücklich damit.

Als Frau hingegen stehst du nicht nur den Booking-Typen gegenüber. Gerade als Frau in dieser Domäne wird auf dein Aussehen geachtet. Ohne meine männlichen Kollegen beleidigen zu wollen, die meisten von uns sehen nicht aus dem Ei gepellt aus, wie zum Beispiel Armin van Buuren oder ATB. Eher wie Hooligans (Gabbas unite!) oder Psychopathen. Das interessiert auch keinen. Aber weibliche DJs stehen der Herausforderung gegenüber, dass nicht nur deren Skills denen eines Mannes ebenbürtig sein müssen: Sie müssen dabei auch noch gut aussehen. Das kommt nicht von mir, das ist leider so.

Wie kann man dagegen vorgehen? Zuerst mal brauchen Frauen-DJs ein Forum und Reichweite. Man muss jederzeit über die Frauen berichten und mitteilen: „Ja, es gibt sehr geniale Produzentinnen und DJs!“ Es ist wichtig, die Namen der Frauen immer wieder zu nennen, egal aus welchem Genre.

Ich zum Beispiel feiere aktuell die Produktionen von Madgrrl, das Zeug ist richtig fett. Und ihr solltet UNBEDINGT dem Kanal von Courtney Hawkings folgen. Sie hat richtig gute Tipps, um die eigene Musik zu pushen.