DAW gratis – taugt das was?

DAW

Musizieren ist ein extrem teures Hobby. Du brauchst Musikinstrumente und Aufnahmegeräte und so weiter.

Irgendwer im Web

Und dieser erste Satz ist Quatsch.

Ich kenne auch noch die Zeiten, als man für DAWs unfassbar viel Geld ausgeben musste. Cubase kostet in der Pro-Version 579 Euro. Protools kostet im Abo 29 € im Monat oder aber 187 Euro im Jahr. Bitwig liegt bei ungefähr 399 Euro. Live 11 kostet zwischen 399 und 580 Euro.

Günstig ist anders. Klar ist der Gegenwert gigantisch. Ein komplettes Studio kannst du mit jeder dieser DAWs abbilden. Du kannst Samples verarbeiten, (VST)-Plugins benutzen und so jedes beliebige Instrument der Welt simulieren und du kannst sogar Demos anderer Bands verbessern und bist dann quasi dadurch Mixing Engineer, Mastering Technician oder halt einfach „nur“ Musikproduzent.

Aber sind wir mal ehrlich: 600 Euro sind kein Schnäppchen. Ein Abo klingt verlockend, aber zumindest ich persönlich habe immer das Gefühl, dass die Software dann nicht mir gehört. Da muss es doch was in kostenlos geben?

Kostenlose DAWs

Es gibt extrem viele kostenlose Alternativen zu oben genannten Tools. Manche dieser kostenlosen Tools haben nervige „Nag-Screens“, also Popup-Fenster, die dich von Zeit zu Zeit darauf hinweisen, dass du doch bitte das Programm kaufen sollst. Manche sind ein wenig eingeschränkt, aber nicht so sehr, dass man damit nicht arbeiten könnte und manche DAWs haben gar keine Einschränkungen. Es gibt hunderte von Blogs und Magazinen, in denen diese DAWs aufgelistet werden. Ich beschränke mich auf die DAWs, die ich selbst als Demoversion benutzt habe und tatsächlich anschließend gekauft habe.

Renoise

Renoise Pattern Editor
Renoise

Renoise ist eine DAW, die sich an Leute richtet, die vielleicht mal auf dem Amiga 500 anfingen. Es handelt sich hier um einen Rastersequenzer, die Noten werden nicht von links nach rechts eingepflegt, sondern von oben nach unten. Die Notenlänge ergibt sich dadurch, ob in der selben Spalte eine neue Note oder ein „Noten-Ende“-Signal eingetragen ist. Weiter von Cubase oder Logicpro kann man sich optisch nicht entfernen, aber Renoise hat hier einen komplett eigenen Charme, der im übrigen auch Depeche Mode überzeugt hat. Depeche Mode nutzen Renoise.

Grundsätzlich ist Renoise wenig eingeschränkt,wenn man die Vollversion nicht kauft. Aber WAV-Export des fertigen Songs geht komplett nicht. Das ist natürlich nicht so toll, wenn man seinen Track auf Soundcloud hochladen will. Aber man kann Audio auch direkt so aufnehmen. Man kann Renoise allerdings auch kaufen, wenn man tatsächlich die ersten Songs fertig gemacht hat und dann einem Publikum präsentieren möchte.

Reaper

Reaper

Reaper kommt von den ehemaligen Machern von Winamp. Winamp war Anfang der 2000er Jahre der Standardplayer für Musik auf jedem Windows-PC. Es gab einfach keinen besseren Player. Das haben auch diverse Konzerne erkannt und den Machern Winamp dann für viel Geld abgekauft. Jetzt ist das Team um Justin Frankel aber nicht faul, sondern hat sich eine neue Bastion gesucht: Mit Reaper kann man nicht nur Musik hören, man kann auch hervorragend damit Musik machen. Und das tatsächlich komplett ohne Einschränkungen. Lediglich beim Start dieses vorzüglichen Musikprogrammes kommt ein Hinweis, der sagt, dass man Reaper doch bitte kaufen möge. Ansonsten ist Reaper komplett uneingeschränkt nutzbar, weswegen ich das Programm dann auch gekauft habe. Reaper ist, wie Renoise auch, extrem stabil.

Fazit

Wie gesagt: Es gibt hier keine endlosen Listen von DAWs, die kostenlos nutzbar sind. Hier gibt’s nur Qualität. Und dafür sollte man zahlen. Cakewalk möchte ich dennoch erwähnen, weil das tatsächlich die einzige, wirklich kostenlose DAW ist, die richtig gut ist, aber den Downloadmanager mag ich nicht und leider ist mir das Tool mehr als einmal brutal abgestürzt.

Es gibt auch Tools wie Ardour, LMMS oder sogenannte LITE-Versionen bekannter DAWs. Ardour macht meiner Meinung nach aber nur unter Linux wirklich Sinn, weil es ursprünglich dafür erschienen ist.

VST-Plugins unter Linux benutzen

Pinguine

Einer der erfolgreichsten Beiträge hier befasste sich damit, wie man Linux als Betriebssystem im Musikstudio benutzen kann. Und – wir müssen fair sein – ohne Plugins ist auch die geilste DAW der Welt nur ein Programm, mit dem man Noten speichern kann.

Linux ist ein unfassbar stabiles Betriebssystem. Selbst, wenn etwas abstürzt, läuft der Rest normalerweise so weiter. Einen richtigen Crash sieht man unter Linux eigentlich eher selten. Außerdem ist Linux wahnsinnig performant, verbraucht wenig Ressourcen und da man nicht unbedingt einen Virenscanner benötigt, kann man den ganzen verfügbaren RAM und die gesamte CPU-Leistung für wichtige Dinge nutzen. Netflixen, während man Musik macht, zum Beispiel. Oder halt nur Musik machen und nicht alles mögliche Freezen müssen, weil die CPU mit anderen Dingen beschäftigt ist.

Linux ist prädestiniert für das Studio. Das wissen die Apple-Jünger schon seit Ewigkeiten, deshalb laufen die meisten DAWs unter Mac OS auch so gut. BSD ist zwar kein Linux, aber MacOS basiert nun mal auf BSD, was wiederum auch auf Unix basiert, was Linux eben auch tut. Worauf ich hinaus will: VSTs laufen saugut auf nem Mac und sollten das auch unter Linux tun, wenn nativ vorhanden und trotzdem gibt’s die meisten VST für Windows.

VST unter Linux?

Grundsätzlich gibt es ein paar sehr, sehr, sehr gute VST unter Linux. Allen voran natürlich Vital, den verdammt nochmal besten Wavetable-Synthesizer der Welt. Vital klingt fantastisch, hat unendlich viele Möglichkeiten und kostet nur Peanuts. Oder nix, wenn du halt nichts willst. Sowieso gibt’s nen ganzen Berg voller VST-Plugins, die einfach nur gut sind. Decentsampler ist zum Beispiel ein genialer Sampler, der auch nicht viel schlechter als Kontakt von Native Instruments ist. Oder Sitala, eine 808-Drummachine. Alles geile Plugins. Alle fantastisch und alle kostenlos.

Aber natürlich gibt es die meisten Plugins eben nicht für Linux, sondern für Windows. Und um diese Plugins unter Linux zum Laufen zu bekommen, muss man als Linuxer ein wenig arbeiten. Aber das sind wir ja gewohnt.

Ich nutze hauptsächlich Ubuntu. Nicht, weil die die Distribution am besten oder am schnellsten finde, sondern schlicht und einfach, weil sie von allen Linuxdistributionen am meisten so dokumentiert ist, dass jeder versteht, was die Macher sich dabei gedacht haben. Du kannst natürlich Arch, SuSE oder sonst was benutzen, aber die meisten Tutorials richten sich an die Leute aus der Debian/Ubuntu-Fraktion. Als Musiker kann ich von dir also nicht verlangen, selbst Programme zu kompilieren oder dich mit CONF-Dateien zu befassen.

Wine

Wine ist dein Freund. Installiere die Version von Wine, die bei deiner Distribution dabei ist, da gibt’s die wenigsten Probleme. Immerhin emulieren wir ein Windows unter einem Linux, auch wenn Wine natürlich was anderes behauptet.

Carla

Carla von KXStudio ist ein Plugin-Host und gleichzeitig ein Plugin. Du kannst also Carla unter deiner Linux-Anwendung als Plugin starten und in Carla zum Beispiel beliebige Windows-Plugins laden. Tatsächlich ist das extrem komfortabel und funktioniert einfach gut.

Airwave

Airwave „simuliert“ deiner Linux-DAW auch ein Linux-VST vor. Dein VST-Plugin installierst du unter Wine beispielsweise über

wine setup.exe

Anschließend befindet sich dein Programm in

.wine/drive_c/Programme

und du kannst über Airwave die DLL hinzufügen. Wine verpackt die DLL-Datei in einen eigenen Wrapper und du kannst als Zielordner ~./.vst angeben, um dein Plugin deiner DAW zur Verfügung zu stellen. Das läuft ziemlich stabil und auch Plugins wie zum Beispiel Serum von Xfer funktionieren sehr gut in Airwave.

Einen Song in Reaper erstellen

Bild von einem Tonstudio

Eine Stunde Reaper. In dieser einen Stunde zeige ich euch, wie man einen einfachen Song erstellt. Ich habe absichtlich darauf verzichtet, bei dem Video zu labern. Man lernt hier ein wenig, wie der Workflow in Reaper funktioniert. Natürlich ist der Titel irreführend, denn das ist kein kompletter Song, aber vielleicht mögt ihr das Video ja.

Photo by Troy T on Unsplash

Eine Stunde Reaper