DJ Robin und Schürze – Layla – aus Produzentensicht

DJ Robin und Schürze haben mit „Layla“ einen Song geschaffen, der sich nun seit mehreren Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts festgebissen hat. Insofern ist es natürlich Zeit für eine musikalische Analyse dieses Songs. Wenn ein Lied mindestens 3 Wochen auf dem ersten Platz liegt, muss es sich doch immerhin um ein Meisterwerk handeln und um nichts weniger.

Hintergrund

Produziert wurde der Song von Ikke Hüftgold, aka Matthias Distel. Der Mann hat seinerzeit eine Wette verloren und dabei gemerkt, dass er ein Talent für Partyschlager hat. Genau genommen ist er einer der erfolgreichsten Musikproduzenten in diesem Genre überhaupt. Er selbst betrachtet sein Werk immer mit einem ironischen Zwinkern und hat zum Beispiel auch mit Felix Lobrecht und Tommy Schmidt schon Partyschlager produziert, die absichtlich komplett auf dem Niveau von Partyhymnen sind. Man kann damit Geld verdienen und die Aktion mit Felix und Tommy ist sogar drauf angelegt, dass die Seenotrettung sämtliche Einnahmen kassiert.

DJ Robin und Schürze hatte ich bisher nicht auf dem Schirm, aber beide sind schon vor Layla auf Mallorca feste Größen im Bereich Partymusik gewesen. DJ Robin hat als Jugendlicher als DJ angefangen und hat sich von Familienfeiern bis hin zur Canstatter Wasen hochgearbeitet. Durch diese Gigs schaffte er es vor der Corona-Pandemie einen Resident-Job als DJ im Bierkönig zu ergattern. Leider hat die Coronapandemie diesen Traum erstmal zerstört, aber DJ Robin hat auf Twitch regelmässig gestreamt und sich so eine andere, große Basis aufgebaut. Schürze ist schon lange als Sänger auf Mallorca unterwegs und hat unter anderem schon bei DJ Ötzi im Vorprogramm gespielt.

Wir haben es hier also mit Leuten zu tun, die ihren Zielen nicht hinterher träumen, sondern diese auch konsequent verfolgen. Das muss man neidlos anerkennen.

Die Akkorde

Gespielt wird in Gm. Es handelt sich um einen 4/4-Takt, der bei 140 BPM pro Minute gespielt wird.

Im Grunde werden 4 Akkorde immer 4 Takte wiederholt, außer vor einem sogenannten Drop. Dort bleibt der erste Akkord über die doppelte Taktlänge erhalten. Es handelt sich um die sich permanent repetierende Reihenfolge:

Gm, Eb-Dur, Bb-Dur und F-Dur

Wer’s sich auf dem Klavier einfacher machen will kann auch 2 Noten transponieren und Am, FDur, CDur und GDur spielen.

Die Produktion selbst

Heute wird auf Lautstärke produziert. Ein Song muss auf einem Handylautsprecher genau so laut ballern, wie in einem 500qm Partyzelt. Grundsätzlich hat sich die Dynamik bei Songs heute komplett verändert. Ich habe hier mal eine Waveform (eine grafische Darstellung eines Songs) von Queen eingehängt und direkt dahinter die Waveform von DJ Robin und Schürze.

Bicycle Race von Queen
Layla Waveform

Man muss kein Produzent sein, um den Unterschied zu erkennen. Die Produktion von Queen zeigt eine Wellenform mit vielen lauten und vielen leiseren Passagen. Die Produktion von Ikke Hüftgold ist hier auf Lautstärke gebaut. Im Grunde kann man den Song gar nicht „leise“ hören, weil hier alles auf Lautstärke abgestimmt ist. Es ist „komprimiert“, wie wir Fachidioten sagen.

Kompression ist, einfach gesagt, dass die leisen Stellen lauter werden und die lauten Stellen laut bleiben. Das ist vergleichbar mit einem Typen, der bei einer Gitarre den Mixer bis zum Anschlag aufdreht, damit man die Gitarre hört und dann gaaaanz schnell wieder runter dreht, wenn alle anderen auch einsteigen. Im Bereich der elektronischen Musik ist das fest etabliert. Im (normalen) Schlager wird durchaus noch mit Dynamik gearbeitet, weil die Hörer dieses Genres tatsächlich ihre Musik noch auf der guten alten Hifi-Anlage hören.

Hier ist aber ganz klar der Fokus auf „Generation Spotify“ gelegt worden. Das Ding muss auch auf den beschissensten und günstigsten Kopfhörern der Welt eben diese Welt ausblenden.

Die Sounds

Ikke, Robin und Schürze bedienen sich aus dem Pool der typischen Dance-Sounds. In der Regel kommen als Plugins für solche Produktionen VSTs wie Nexus oder auch Serum zum Einsatz. Die Drums sind modifizierte 909-er und für die Drops wird eine Hardstyle-Kickdrum verwendet. Heißt: Da ist eine Kickdrum, die allerdings nur als „Klick“ einen hart übersteuerten Bass-Sägezahn triggert. Die Synths sind allgemein beliebte Handsup-Sounds, die Glöckchensounds kennen wir auch alle schon aus Zeiten von Charlie Lownoise und Mental Theo. Es ist jetzt nichts wirklich Originelles dabei, aber das will auch keiner in dem Bereich hören

Der Text

Neulich in der Stadt stand da ein Mann
Er schaute mich sehr glücklich an
„Hey, komm mal her“, sagte er zu mir
„Das ist mein Laden, mein Revier“
„Mein Junge, ich hab‘ ein Geheimnis für dich“
Was er von mir wollte, wusste ich nicht
Ich sah nur das Grinsen in seinem Gesicht
„Was ich dir sage, glaubst du mir nicht“
Ich hab‘ ’nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
La-la-la-la-la-la-la-Layla
La-la-la-la

Songtext Layla

Am Text scheiden sich die Geister. Thomas von Indiskretion Ehrensache vergleicht Layla mit Saufliedeern über Zwangsarbeiter, mit dem Hintergrund, dass ein Typ nen Puff hat und da seine resolute Puffmutter Layla den Laden schmeisst. Ich stimme Thomas insofern zu, dass das Klischee der Puffmuddi, die das auch irgendwie noch gut findet, komplett hinüber ist. Auch in Puffs merkt man die Inflation und diese pseudoromantische Verklärung der Tatsachen in der Prostitution hilft natürlich niemandem. Und diese Kritik teile ich auch. Puffs sind nicht romantisch und lustig.

Tatsache ist aber auch, dass der Songtext im Grunde nur aus dieser einen Strophe und einer weiteren Strophe besteht, wo der Sänger Layla das erste mal selber sieht. Ansonsten wiederholt sich der Refrain die ganze Zeit. Es wird hier nicht angedeutet, dass der Protagonist mit Layla ins Bett geht und auch sonst ist der Text, abgesehen vom Wort „Puff“ oder „geiler“ sogar harmlos.

Vergleichsweise heftig ist da eher der Song mit dem Titel „Nein heißt ja, wenn man so lächelt wie du“ von G.G. Anderson. Ich würde sagen, dass man den Text hier heute definitiv so nicht mehr bringen könnte:

Nein heißt ja
Wenn man lächelt so wie Du
Warum willst Du Deinem Herz nicht trau’n
Nein heißt ja
Wenn man flüstert so wie Du
Du kannst mir ruhig in die Augen schau’n
Nimm den Mut in die Hand

Pfeif auf Deinen Verstand
Und vertrau darauf was Du fühlst
Oh, nein heißt ja
Wenn man lächelt so wie Du

Songtext Nein heißt Ja.

Die Zielgruppe und das Verbot

In der Presse wird immer von „Verbot“ gesprochen. Der Song ist nicht verboten, sondern es wird lediglich drum gebeten, dieses Ding nicht zu spielen. Weil es tatsächlich sexistisch ist und ein Frauenbild zeigt, dass es so nicht geben sollte. Tatsächlich aber feiern auch viele Frauen diesen Song. Und man kann dem Song eben auch nicht vorwerfen, dass er nicht eingängig ist. Das Teil muss man nur einmal gehört haben und dann begleitet es einen den ganzen Tag im Ohr, ob man will oder nicht.

Die Zielgruppe von Ikke, Robin und Schürze ist ja auch nicht der Oberstudienrat, der seinen Jahresurlaub auf Sylt mit überteuerten Shrimpcocktails und schlechtem Prosecco verbringt, sondern für die Leute, die in den letzten Jahren die Sau nicht rauslassen konnten. Ich selbst bin jetzt auch kein Fan des Songs und erst recht bin ich kein Fan der Ballermann-Saufkultur, aber diese Gruppe von Menschen gab es immer und wird es auch immer geben. Und ich sag auch ganz ehrlich: Lasst diesen Leuten doch ihren Spaß. Das ganze Ballermann-Gerotze ist zwar super cringe und irgendwie auch asig, aber wenn die Leute das für ihren Seelenfrieden brauchen und dafür die anderen 50 Wochen im Jahr ihren Job machen und sich auf ihren nächsten Urlaub freuen, so what?!

Kleiner Edit im Anschluss noch: Wir leben aber eben auch in einer Gesellschaft, die versucht, sich zu verbessern und die Rücksicht auf andere Menschen nehmen sollte. Ich will niemandem seinen Spaß am Extrembesäufnis wegnehmen, ganz bestimmt nicht. Man sollte halt für sich selbst auch immer abwägen, wie sehr man das machen will. Ich glaub kaum, dass jemand nach einer durchzechten Partynacht direkt so weiter machen will, aber das ist auch nicht meine Bubble. 😆😉

Fazit

Ich mag den Song nicht. Ich mag die Produktion nicht. Aber ich muss anerkennen, dass das Ding ins Ohr geht. Der Text ist so unfassbar simpel, dass man es nur ein einziges Mal hören muss, um es mitgröhlen zu können.

Natürlich kann man damit unfassbar viel Geld verdienen. Warum auch nicht? Es gibt pro Jahr zig Songs, die genau dies hier versuchen und keiner schafft es, aus der Malle-Bubble auszubrechen. DJ Ötzi hat’s damals geschafft, Jürgen Drews schafft es immer mal wieder, der Krause auch. Aber tausende andere Produzenten schaffen das nicht. Und der Song ist auf Platz 1. Das heißt, die Jungs haben auf jedenfall erstmal ausgesorgt.

Ich könnte da neidisch sein. Bin ich aber nicht, denn ich möchte Musik produzieren, auf die ich auch in 20 Jahren noch stolz bin. Und ja, auf den kommerziellen Erfolg wäre man auch in 20 Jahren als Künstler noch stolz. Aber ich kann mir das für mich nicht vorstellen. Insofern ist und bleibt mein Fazit hier subjektiv.

Referenzen

Ich bin „nur“ ein Heimstudiomusiker, der zwischendurch mal was auf Spotify raus haut. Ich bin schon lange dabei, aber ich habe bewusst nie den Schritt zum Profimusiker gewagt. Das nur mal so als Information. Aber ich liebe es Songs zu analysieren und manchmal auch, sie zu covern. Ihr könnt mir auch auf Youtube folgen, wenn ihr wollt.

Bild von 453169 auf Pixabay

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