Eine kleine Geschichte über das Homeoffice

und warum es das richtige für manche ist und für manche eine Qual

Als die Corona-Pandemie im März 2020 ihren gefühlten Höhepunkt erreichte, wurden viele Betriebe plötzlich flexibel und schickten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice, sofern das möglich war. Ich sage deshalb „gefühlter Höhepunkt“, denn wir alle wissen, dass die Homeoffice-Zeit in vielen Betrieben vorbei ist, und Corona tatsächlich wesentlich heftiger durch die Wohnzimmer der Welt wütet, als noch vor 2 Jahren. Die Tatsache, dass Omikron wesentlich weniger tödlich ist, als die ersten paar Varianten, hat dafür gesorgt, dass Corona nun lediglich ignoriert wird, obwohl es noch immer eine ernstzunehmende Krankheit ist.

Aber gut, ich möchte nicht abschweifen und ein Referat darüber halten, dass die Angst vor Corona lediglich durch „Wegignorieren“ ersetzt haben. Darauf habe ich jetzt auch keine Lust und du, werte Leser/werte Leserin vermutlich auch nicht. Außerdem soll dieser Blog ein Neustart sein. Also springen wir wieder an den Anfang zurück und reden über das Homeoffice.

Mein früheres Ich

Ich bin mein Leben lang Programmierer gewesen. Immer. Sogar in der Grundschule hat mich das hacken am C16 mehr fasziniert, als Sport oder Freunde treffen. Im Alter von 10 Jahren konnte ich fließend BASIC und meine Assemblerkenntnisse waren mit 12 schon relativ gut. Das alles war mir lieber, als Schule oder Freunde treffen. Ich liebte es, in meinem Zimmer zu sein und zu programmieren oder später auch Musik zu machen. Spiele gab es zwar, aber ich war halt sehr jung und hatte wenig Kontakt zu guten Raubkopierern. Kaufen konnte ich mir die Dinger damals gar nicht. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass ich immer ein Eigenbrötler war und sehr, sehr glücklich damit war, allein vor dem Computer zu sitzen.

In der Schule habe ich mich meistens mit den anderen Nerds sehr gut verstanden und selbst die Sportler oder die „beliebten“ in der Schule mochten mich, weil ich deren Computer besser bedienen konnte, als sie selbst. Dafür war ich halt nie so richtig der Aussenseiter, aber ich war eben auch nie so richtig im „inneren Kreis“ der Beliebten. Geburtstagsfeiern fanden meistens ohne mich statt und für mich war das auch okay.

Das „echte Leben“ lieben gelernt habe ich relativ spät. Während meine Freunde schon mit 14 oder so in den Diskotheken waren, entdeckte ich dieses Hobby für mich erst sehr, sehr spät. Mit über 20 mochte ich Clubnächte und – mal wieder – war mein Hobby, das Programmieren, sehr wichtig für diese Geschichten, denn mit einem Freund namens Dirk zogen er und ich eine der beliebtesten Internetforen zum Thema Hardstyle auf. Da wir Content in Form von Videos und Fotos brauchten, war ich logischerweise immer dabei. Aber auch hier sieht man deutlich: Ich war eher der passive Teil. Ich mochte das Programmieren an der Website und das Erweitern um neue Features. Außerdem kam mir Hardstyle.tv seinerzeit entgegen, weil ich zuhause Musik produzieren konnte.

Dennoch wurde ich DJ und fand das auch über 5 oder 6 Jahre wunderschön.

Das Leben im Job

Es war völlig normal, dass man als Programmierer vor Ort sein musste. Mein erster Job war eine Webentwicklerstelle bei Mega Systems OHG in Delmenhorst. Ich habe diese Firma geliebt, auch wenn wir alle völlig verpeilt waren und ich meistens mein Gehalt gar nicht erst pünktlich erhalten habe. Das war die Zeit, bei der ich regelmässig im Büro gepennt habe, weil ich gar nicht so viel programmieren konnte, wie ich vorher behauptet habe und weil die Deadlines kriminell waren. Letztendlich waren die Deadlines auch einer der Gründe, warum es mit uns nicht geklappt hat. Deadlines waren für alle Beteiligten zu stressig und faktisch hat es so mancher auch leider nicht überlebt.

Aber: Ich pendelte seinerzeit jeden Tag von meinem bescheidenen Gehalt zwischen Rastede und Delmenhorst hin und her. War völlig okay für mich, auch wenn mein erstes Auto ne absolute Mühle war.

Dann kam natürlich die Bundeswehr und diverse andere Jobs, die allesamt vor Ort statt fanden. Das ging sogar so weit, dass ich irgendwann nach Delmenhorst gezogen bin. Weil ich in Groß Ippener gearbeitet habe…

Mein erster Homeoffice-Job

Abschweifen kann ich offensichtlich: 2020 gab es dann also diese kleine Pandemie namens Corona. Und jeder, bei dem es ging, wurde nach Hause geschickt. Mit PC. Mit VPN-Zugang und tatsächlich lief die ganze Aktion dank eines supertollen Teams in der IT fast reibungslos über die Bühne.

Mittlerweile programmierte ich in Laravel eine Anwendung zur automatischen Erfassung von Warenversendungen. Da ich nicht mehr vor Ort sein musste, ergab es sich, dass ich einen Zustand erreichte, den ich „Zen-Focus“ nenne, auch wenn diese Bezeichnung völlig falsch ist. Aber dieser Zustand erlaubte mir, das zu tun, was ich am meisten liebe. Programmieren. Ohne Ablenkungen.

Worauf ich mit diesem ganzen Sermon an Gefasel hinaus möchte, ist folgendes: Ich persönlich liebe Homeoffice. Wirklich. Ich liebe es, meine Ruhe zu haben und einfach nur zu programmieren. Ich liebe es, 9 Stunden am Tag auf diesen komischen Bildschirm zu starren, über Dinge nachzudenken und bei Problemen mein Leben zu hassen. Das ist es, was mich erfüllt. Das und meine verdammte Ruhe.

Das ich damals zurück ins Büro sollte, hat mich tief getroffen. Ich wollte das nicht. Einerseits aus Angst vor Corona, andererseits auch, weil ich meine Ruhe nicht mehr haben sollte. Dies war der Zeitpunkt, an dem ich dann gekündigt hatte und nun einen Arbeitgeber habe, bei dem ich Remote arbeiten kann. Immer.

Und ich liebe es.

2 Gedanken zu „Eine kleine Geschichte über das Homeoffice“

  1. Mein lieber Herr Gesangverein. Großartiger Artikel. Ich befürchte, dass es Unternehmen übertreiben, ihre Mitarbeiter zurück an die Galleere zu zwingen und daraus dann große Fluktuationsbewegungen entstehen. Denn viele arbeiten tausend mal konzentrierter zuhause als in irgendeinem Büro. Glaubst du, die nehmen es einfach so hin, ihr Home Office nicht mehr zu haben? Nimm dir Popcorn und beobachte.

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    • Vielen Dank für die Blumen und die Bestätigung, dass der Artikel kein Kernschrott ist.

      Ich bin überzeugt davon, dass bestimmte Berufe einfach keine Präsenz benötigen. Klar hat das viel mit Vertrauen zu tun, aber wir sind doch erwachsen und sollten doch wissen, dass das ein geben und nehmen ist.

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