// 13.06.2026

Anthropic Fable - oder auch - die Bombe ist geplatzt

13. June 2026
Anthropic Fable - oder auch - die Bombe ist geplatzt

Der Paukenschlag der US-Regierung

Die USA haben gestern, am 12. Juni 2026, eine waschechte Bombe in der KI-Welt platzen lassen: Der Zugriff auf ein bestimmtes KI-Modell soll ab sofort ausschließlich US-Bürgern vorbehalten sein. Diese Regelung ist so strikt, dass sie selbst für die eigenen Mitarbeitenden der Entwicklerfirma gilt, sofern diese keine US-Staatsbürgerschaft besitzen.

Fable 5: Das Modell hinter dem Skandal

Im Zentrum des Geschehens steht die Firma Anthropic, die vielen bereits durch Claude Code ein Begriff ist. Seit einigen Tagen hat das Unternehmen ein neues Modell namens Fable 5 online.

Fable 5 basiert auf dem gigantischen Vorgängermodell Mythos. Es handelt sich dabei um ein extrem mächtiges Sprachmodell mit herausragenden Programmierfähigkeiten. Interessanterweise hat es eine massive – wenn auch ursprünglich gar nicht geplante – Expertise im Aufspüren von Sicherheitslücken entwickelt.

Vom Enterprise-Sektor zum Endkunden

Während das ursprüngliche Mythos-Modell seinerzeit ausschließlich großen Unternehmen zur Absicherung ihrer Software lizenziert wurde, richtet sich Fable 5 nun an den Endbenutzer.

Um zu verhindern, dass jedes Skriptkiddie dieses mächtige Werkzeug für Hacks missbraucht, hat Anthropic clevere Barrieren eingebaut: Ein Torwächter-System filtert automatisch alle Anfragen, die in Richtung Cyberkriminalität, Chemie oder Biologie gehen. Schlägt der Filter an, wird die Anfrage blockiert und direkt an das bekannte und sicherere Opus-Modell umgeleitet. So soll sichergestellt werden, dass Fable 5 nicht für terroristische Zwecke oder schwere Straftaten missbraucht werden kann.

Anthropic vs. US-Regierung

Es ist ein wenig pikant, dass es ausgerechnet Anthropic trifft. Das Unternehmen hat sich bisher geweigert, seine KI-Systeme für autonome Waffensysteme nutzen zu lassen. Deshalb gab es dazu schon Ärger seitens der Trump-Administration. Anfang des Jahres wurde Anthropic auf eine Blacklist gesetzt. Keine US-Behörde darf mehr Geschäfte mit Anthropic machen. Pete Hegseth selbst hat sich damals dazu geäußert. Natürlich wollte Anthropic das nicht auf sich sitzen lassen und hat seinerseits dagegen geklagt. Typen wie Musk und sein Grok knicken nur allzu gerne vor der US-Regierung ein. In diesem Kontext bekommt die Sperre von Fable 5 den faden Beigeschmack, dass es hier vielleicht gar nicht um Cybersicherheit geht, sondern an Anthropic einfach ein Exempel statuiert werden soll.

Mögliche Erpressung?

Zunächst einmal haben die USA beschlossen, einen Dienst für Nicht-US-Bürger zu sperren. Das ist in gewissem Maße vergleichbar mit dem Geoblocking von Netflix, damit wir uns hier keine US-Blockbuster ansehen können, die gerade noch synchronisiert werden. Aber dann halt irgendwie doch nicht, denn KI ist extrem teuer. Gerade solche Systeme wie Mythos oder Fable kosten das Zwei- oder Dreifache von dem, was man bisher für die LLM-Nutzung zahlen musste.

Viel spannender ist aber, dass Trump und Co. hier direkt in den Markt eingreifen. Anthropic will nicht mitspielen? Gut, machen wir ihnen den Job so schwer wie möglich. Ich will nicht so weit gehen und das als Erpressung bezeichnen ... Doch, eigentlich will ich das schon. Das Argument der Cybersicherheit fällt in sich zusammen, weil Anthropic eben Position gegen die Administration bezogen hat.

Bad Case

Viele Start-ups setzen auf Claude. Logischerweise noch nicht auf das Fable-5-Modell, weil es zu neu ist, aber Opus und Sonnet werden auch heute schon flächendeckend in Unternehmen eingesetzt. Wenn die US-Regierung auf den Trichter kommt, auch „Opus“ abzuschalten, werden garantiert ein paar Unternehmen, die auf KI-gestützte Entwicklung setzen, richtig ins Schwitzen kommen. Gemini oder ChatGPT sind, speziell im technischen Bereich, oft nicht vergleichbar gut.

Worse Case

Wer genau hindert Trump und Co. daran, ähnliche Gefahren nicht auch bei anderen KI-Systemen zu sehen? Offensichtlich hat es ja bei Anthropic so gut funktioniert, dass eine einfache Regierungsforderung einen weltweiten Dienst auf US-Only beschränkt hat. Warum sollten die USA der Welt überhaupt erlauben, ihre KI-Systeme zu nutzen? Insbesondere dann, wenn zum Beispiel eine Ukraine auf KI-Systeme setzt, um sich gegen Putin verteidigen zu können?

Worst Case

Fragt mal in der IT-Abteilung eures Arbeitgebers herum, wie die Infrastruktur in eurem Unternehmen so geregelt ist. Ich sag mal so: Bis vor 20 Jahren gab's in jeder Firma einen IT-Administrator. Der kannte sich sehr gut mit Active Directory aus und wusste sogar, wie man Exchange bedient. Doch in den letzten Jahren haben die meisten Unternehmen auf Azure umgestellt. Die Office-Lösung wird nicht mehr von einem Server in einem mies klimatisierten, leerstehenden Büro ins Intranet gespeist, sondern einfach alles liegt in der Cloud. „Ich nutz ja gar nicht Microsoft, sondern Google!11!elf“ ist dann das Killerargument – denn auch Google ist ein US-Dienstleister. Teams? Google Meet? Zoom-Calls? Skype? Discord? Slack? USA. USA. USA.

Es ist eine Sache, wenn ein proprietäres KI-System von Europa aus nicht mehr erreichbar ist. Die meisten von uns brauchen Fable 5 gar nicht. Tatsächlich brauchen die meisten Menschen KI generell nicht zwingend. Ich sage damit nicht, dass Gemini nicht unglaublich praktisch ist. Aber brauchen ist übertrieben. Es geht auch so.

Die USA haben jetzt exemplarisch ein KI-System gesperrt. Was glaubt ihr, was passiert, wenn Trump auf die Idee kommt, die Microsoft-Cloud zu sperren? Oder einfach nur ein beliebiges CDN? (Ein CDN verteilt Medieninhalte über das Internet. Damit dein Netflix flüssig läuft, gibt's hier Server, auf denen die Filme liegen. Aber diese Server kriegen ihre Daten aus den USA.)

Ob Windows oder Office ohne Copilot noch funktioniert? Ob Office ohne Cloud überhaupt noch funktioniert?

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