Künstler diskutieren über AI. Nicht wirklich über KI selbst, sondern darüber, ob es sie deren Jobs kosten wird. Programmierer diskutieren auch über KI. Die Zeiten, wo man sich im dunklen Kämmerlein verschloss, um Codezeilen zu tippen, sollen laut den KI-Gurus von Nvidia, Anthropic oder Google vorbei sein. Musiker kriegen die kleinen Jobs, die die Miete bezahlen nicht mehr, weil Suno mit wenigen Prompts die kleinen Werbejingles komponiert, die früher 500 Euro eingebracht haben.
Erst mal das Worst Case Szenario
KI und Jobs
Lasst euch nichts einreden. KI wird eure Jobs zerstören, vernichten und viele von euch nutzlos machen. - Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Da bringt es auch nichts, daran glauben zu wollen, dass man einfach nur Experte davon werden muss, um mit KI weiter existieren zu können, denn das ist nicht so. Leute, die meinen, dass man KI nicht ignorieren kann, haben Recht. KI ist da. Und KI ist extrem teuer. Du kannst kein KI-Experte werden, wenn du kein Geld dafür ausgibst. Denn Prompting funktioniert in etwa so: Du schilderst ein Problem und nach ein paar Versuchen hat die KI dann endlich das gemacht, was du wolltest, allerdings kannst du das fertige Ergebnis nicht mehr sehen, musst noch 3 Stunden warten, weil erst dann deine Token wieder aufgeladen sind.
Sogenannte KI-Experten haben eine bezahlte Mitgliedschaft bei Claude oder Google und kriegen daher auch wirklich Ergebnisse geliefert. Deren Prompts sind auch nicht besser, als deine eigenen, aber Bezahlmodelle erlauben der KI, einen besseren Kontext zu nutzen. Hier mal Beispiele:
KI und Programmierung
Wenn du Claude Code oder Antigravity nutzt, passiert folgendes: Diese Programme durchsuchen das Verzeichnis, in dem du gerade bist. Sie „sehen“ also das große Ganze. Auf der Website funktioniert folgender Prompt nicht: „Schreibe ein Shopware-Plugin, das xyz macht“. Warum nicht? Weil die Website nicht sehen kann, wie der Rest um das Plugin herum aussieht. Die Claude-Website weiß an dieser Stelle nicht, welche Shopware-Version du nutzt, welcher Webserver im Einsatz ist, welche PHP Version und wie der andere Quellcode so aussieht.
Bei Bezahlmodellen überträgt Claude-Code oder Antigravity-cli Auszüge deiner Programmierung an die KI-Server und kann daher viel besser antworten. Denn diese Modelle können erst dann in die anderen Plugins reingucken, die du schon mal programmiert hast und daher ist da viel schneller ein Ergebnis zu finden.
KI und Kunst
Wie ich oben ja schon sagte: Als Musiker nimmst du gerne so kleine Auftragsarbeiten mit, irgend ein dämliches Werbejingle gegen Fußjucken oder gegen Genitalnässe. Sind 300-500 Euro leicht verdientes Geld und jede Produktion erweitert deinen eigenen Horizont. Du hast noch nie Funk produziert? Endlich hast du mal Zeit, einen 30 Sekunden Song zu machen und so dein Wissen zu vergrößern. Tja, nicht mehr mit KI, denn die Kunden gehen direkt zu Suno und lassen sich da was zaubern. Wenn man jetzt mal zum Beispiel auf die Karriere von Stefan Raab guckt, der sich als Komponist für Werbesongs einen Namen gemacht hat, bevor er Moderator bei Viva wurde, kannst du heute diesen Weg vergessen.
Die zwei Gesichter der Medaille
Wir müssen an dieser Stelle aber scharf trennen. Denn der Impact von KI ist nicht in jedem Beruf gleich desaströs. Es gibt Bereiche, in denen die Automatisierung eine Befreiung ist – und Bereiche, in denen sie die Seele frisst.
Der Segen für Programmierer: Das Ende der Kack-Jobs
Für uns Entwickler hat die Medaille durchaus eine glänzende Seite. Machen wir uns nichts vor: Niemand hat Lust auf langweiliges Scaffolding. Wenn ich ein neues Symfony-Projekt hochziehen will und meine lokale Umgebung mit ddev aufsetzen muss, dann ist das stupide Fleißarbeit. Die hundertste Basisstruktur für ein Controller-Script zu tippen, erfordert kein Genie.
Hier ist die KI tatsächlich das Werkzeug, das sie vorgibt zu sein. Anstatt stundenlang einen riesigen, undokumentierten SQL-Dump zu analysieren, um die relationalen Abhängigkeiten zu verstehen, jagt man das Ding durch ein LLM und hat das Schema in Minuten vor sich. Die KI übernimmt den Boilerplate-Code, das Aufsetzen der Umgebung und die nervige Fehlersuche bei vergessenen Semikolons. Wir werden von "Code-Tippern" zu Architekten befördert, die sich auf die eigentliche Logik und das Systemdesign konzentrieren können. Das ist Pragmatismus. Es schaufelt Zeit frei.
Der Verrat an der Kunst: Geiz, Spotify und der Tod der Freude
Aber diese pragmatische Legitimation zerfällt zu Staub, sobald wir auf die Kunst blicken. Für einen Illustrator oder Musiker gibt es keine "lästige Fleißarbeit", die man auslagern könnte. Das Zeichnen der Linien, das Mischen der Farben, das Schrauben an den Parametern – das ist der Beruf. Das ist die Kunst.
Der Feind ist hier auch gar nicht primär die KI, sondern der grenzenlose Geiz der Industrie. Plattformen wie Spotify haben Musik schon lange vor dem KI-Hype entwertet und Musiker mit Bruchteilen von Cent-Beträgen abgespeist. KI ist jetzt nur der letzte Sargnagel. Verlage klatschen lieber seelenlosen Midjourney-Matsch auf die Cover von Kinderbüchern, anstatt einem Illustrator ein anständiges Honorar zu zahlen.
Und das Tragischste daran: Die KI stiehlt uns den Spaß an der Sache. Wer sich abends hinsetzt, tief in C++ und dem DPF-Framework wühlt, um die schmutzige, unperfekte Magie eines alten Amiga-Soundchips in ein Audio-Plugin zu gießen, der tut das wegen des Weges. Das Fluchen über Latenzen, das Tüfteln, der Moment, in dem es plötzlich klingt wie 1992 – das ist der Lohn. Wenn dir ein Algorithmus auf Knopfdruck das fertige Resultat hinrotzt, raubt er dir die Herausforderung und den Stolz. Kunst verkommt zum reinen Konsumprodukt.
Der Elefant im Raum: Urheberrecht und das Versagen der Politik
Und woher kommt eigentlich all das "Wissen", mit dem diese Maschinen unsere Jobs automatisieren? Das ist der Punkt, an dem die Diskussion richtig dreckig wird. Die Tech-Bros im Silicon Valley haben das größte Urheberrechtsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen.
Sie haben das freie Internet, Milliarden von Bildern, Texten und Songs gecrawlt und in ihre Modelle gepresst, ohne auch nur einen einzigen Urheber um Erlaubnis zu fragen oder zu entlohnen. Die Trainingsdaten für Claude, ChatGPT und Suno basieren auf der harten Arbeit von Millionen Menschen, die jetzt von genau diesen Modellen arbeitslos gemacht werden. Die Tech-Konzerne verkaufen uns unsere eigene geklaute Kunst als "Innovation" zurück.
Hier muss die Politik endlich aufwachen. Wir brauchen knallharte Regulierungen, was die Nutzung von Trainingsdaten angeht. Und das geht noch viel weiter: Während wir hier über Plugins und Werbejingles diskutieren, fluten massenhaft Deepfakes und KI-generierter Fake-Porn das Netz und zerstören Existenzen. Die Werkzeuge sind brandgefährlich und sie liegen in den Händen von Monopolisten, denen Ethik völlig egal ist, solange der Aktienkurs stimmt.
Ein Fazit, das wehtut
Wir hängen fest. Die Hardware-Preise für RAM und SSDs explodieren wieder, weil die Serverfarmen alles leerkaufen und unser Planet wird für das Rendern von sechsbeinigen Katzenbildern aufgeheizt. KI ist ein ökologischer und ökonomischer Abfuck.
Aber Ignorieren ist Selbstmord. Die einzige Art, damit umzugehen, ist ein zähneknirschender Pragmatismus: Nutzt diese dreckigen, teuren Werkzeuge, um euch die lästige Fleißarbeit in der Entwicklung vom Hals zu halten. Lasst die Maschine die Scaffolding-Kack-Jobs machen. Aber verlasst euch niemals darauf, dass sie euer Hirn ersetzt. Und vor allem: Verteidigt die menschliche Kultur. Zahlt für echte Kunst, kauft Musik abseits von Spotify und zelebriert das Handgemachte, Unperfekte. Denn das ist das Einzige, was uns am Ende von den Maschinen unterscheidet.