1. Einleitung: Die Magie der blinkenden Cursor
„Mama, darf ich zocken?“ „Ja klar, aber vorher gehst du noch mindestens 'ne halbe Stunde raus!“ „Kein Problem, ich starte eben den Ladevorgang
LOAD "*"“ - wenn das dann fertig ist, komm ich wieder rein! Okay, Schatz
Jepp. So war das früher. Die Ladezeiten von Games auf dem legendären C64 waren mit Datasette schon ziemlich langwierig, aber wenigstens hatte man einen miniminimini-Grund mal nach draußen zu gehen. Davor sitzen und warten, das war auch irgendwie langweilig.
In Oldenburg gibt es einen Ort, an dem man seine eigene Kindheit nochmal durchspielen kann oder sogar seinen Kindern zeigen kann, wie das damals denn so war, als die Computer endlich nicht mehr so groß wie ein Kühlschrank waren und man unter dem Begriff „Homecomputer“ oder „Personal Computer“ das verstand, was man für vergleichsweise überschaubares Geld nach Hause nehmen konnte.
Das war die Zeit der Spectrums, der Schneider CPCs oder eben auch des VC20, des Amigas und des Atari ST.
Das Oldenburger Computermuseum ist ein interaktiver Ort für Retrocomputing und Arcade-Kultur. In diesem Museum wird die Aufbruchzeit der Computer gefeiert, aber eigentlich auch die gesamte Nerdkultur der 70er bis hin zu den 2000er Jahren.
Dabei gilt das Prinzip: „Wir sind ein Hands-On-Museum! Alles, was du hier siehst, darfst du auch wirklich mal benutzen!“
2. Die Gründungsgeschichte: Von der Sammler-Leidenschaft zum Museum
Gegründet wurde das Museum, das übrigens ein Verein ist, im Jahr 2008 von Thiemo Eddiks. Er hat seit seiner Kindheit alte Computer gesammelt und von seinem Gehalt damals immer weitere Computer auf Flohmärkten oder Ebay oder von anderen Sammlern gekauft. Diese Sammlung wurde dann ausgestellt. Seit 2009 ist das Museum ein Verein. Und jeder „Mitarbeiter“ ist ein ehrenamtliches Vereinsmitglied.
Seit 2014 ist das Museum nun direkt im alten Postgebäude am Oldenburger Hauptbahnhof. Das Museum verfügt mittlerweile auch über eine komplette Retro-Arcade, wie man sie aus den 80er-Jahren kennt, aber der Kern-Aspekt sind die guten alten Computer aus der goldenen Home-Computer-Zeit.
3. Die 80er
Im Museum kann man die 70er und 80er nochmal erleben. Die Ausstellung beginnt mit einem typischen, alten Wohnzimmer mit der für die Zeit typischen Schrankwand „Eiche Rustikal“. In diesem Schrank gibt's noch Ommas guten Eierlikör, die gesammelte Ausgabe des Brockhaus, die typischen, hässlichen 80er-Jahre Gläser und natürlich den fetten Röhrenfernseher, an dem aber auch das Atari VCS (Atari 2600) angeschlossen ist. Stilecht gibt's auch Papas Hifi-Tower und im Fernsehen laufen 80er Jahre Werbespots.
Auf der Couch kann man in alten Quelle-Katalogen schmökern oder sich die „fragwürdigen“ Sexualtipps von Dr. Sommer in alten Bravo-Heften angucken.
Direkt gegenüber des Wohnzimmers kann man in die Werkstatt gucken, wo Vereinsmitglieder Röhrenfernseher retten oder versuchen, einen Acorn-Rechner wieder zum Laufen zu bekommen.
4. Die Exponate: Eine Zeitreise in Bits und Bytes
Direkt neben der Werkstatt ist der einzige Bereich, den man nicht einfach so befummeln darf. Dort befinden sich PDP-8-Rechner, also frühe Minicomputer, die man als Vorläufer der Heimcomputer in Universitäten rumstehen hatte. Wenn man weiter geht, läuft man an Commodore PETs vorbei oder auch an Apple-Rechnern dieser Zeit.
Man kann hier auch den VC20 benutzen oder den legendären Osborne 1.
Wer sich mit Marketing befasst, sollte im Museum unbedingt mal nach der Marketing-Geschichte dieses Gerätes fragen. Ich fass es aber mal zusammen: Das Gerät kam raus und der Chef, Adam Osborne, hat ziemlich schnell nach der Markteinführung gesagt, dass die Firma gerade ein viel geileres Gerät baut, das bald rauskommen soll.
Nun ja: Die Kunden haben den Osborne 1 dann nicht mehr kaufen wollen, weil ja was viel besseres kommen sollte. Dieses Phänomen ist heute in der Wirtschaft als der Osborne-Effekt bekannt.
Nochmal zurück zum VC20: Auf dem Gerät hat der Erfinder von Linux seine ersten Schritte gemacht, Programmierer zu werden.
Die Ausstellung verfügt auch über den Atari 800XL und natürlich den meistverkauften Computer aller Zeiten, den Commodore 64. Es gibt auch Rechner von Sinclair und die reguläre Ausstellung endet in einem Raum mit einer Apple Lisa, einem Atari ST, einem Amiga 500 und einem ESCOM-386er PC mit Windows 3.11.
Ich könnte die anderen Computer auch noch nennen, aber das steht eh alles auf der Website vom Oldenburger Computer Museum.
Wer nach all den Heimcomputern eher Lust auf Konsolen-Action hat, geht am besten direkt weiter in den 2024 eröffneten OCM-Hub. Eine große Veranstaltungshalle mit einem Computer-Regallager. Im Hub selbst befindet sich eine Sammlung aller relevanten Spielkonsolen von „Pong“ über „Atari VCS“ bis hin zu NES, N64, Playstation 2 und XBOX.
Der OCM-Hub ist eine 450 m² große Fläche mit Beamern und optionaler Bestuhlung. Vom Vortrag bis hin zur Betriebsfeier kann man hier im Oldenburger Computer Museum feiern.

5. Das Highlight: Die aktuelle Apple-Ausstellung
50 Jahre Apple. Seit 50 Jahren gibt es diese Firma nun und bei aller Kritik und Lob muss man ganz ehrlich zugeben: Danke Steve Jobs und Steve Wozniak für die Erfindung des Apple Computers und eben auch für die Verschmelzung von Informatik mit Design und Usability. Die Ausstellung befasst sich ganz allgemein mit Apples Gründungsgeschichte, es wurde sogar die Garage nachgebaut, bis hin zum Apple 1, dann der Lisa und im OCM gibt es sogar einen begehbaren Apple Macintosh.
Die ehrenamtlichen Helfer haben sogar einen kompletten Applestore nachgebaut.
6. Fazit
Das OCM ist ein Goldschatz, das kann man nicht anders sagen. Mit viel Leidenschaft ist ein Mitmachmuseum organisiert worden, wo wirklich jedes Mitglied Bock drauf hat. Und selbst Mitglied in diesem Museum zu werden, ist gar nicht so schwer und erst Recht nicht teuer. Aber muss man auch nicht, man kann auch so durch das Museum laufen und die Zeit beim Spielen von „Giana Sisters“ vergessen.