Ein besserer Musikproduzent werden in 20 Schritten

Ich mache seit ungefähr 30 Jahren Musik. Dabei hatte ich lediglich Anfang der 2000er-Jahre den Anspruch, das mal professionell zu betreiben und die letzten 10 Jahre habe ich das Hobby „Musik“ sträflich vernachlässigt. Aber ich bin wieder im Game und ich habe da wieder so richtig Lust drauf, also werde ich euch hier 20 Tipps geben, die euch zu besseren Musikern und Musikproduzenten machen.

Musiktheorie lernen

Musik basiert auf Theorien. Das ist leider nicht nur Geschwafel, denn Musik ist eine Wissenschaft, die in der Steinzeit begann und sich immer weiterentwickelt hat. Dinge wie Takte oder Akkorde oder Harmonielehre sind kein sinnloser Scheiß. Diese Dinge sind das Ergebnis tausender Jahre Musikevolution. Und zumindest die Grundkenntnisse sollte man sich als angehender Musiker reinschaufeln. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einen Moll- und Durakkord zu kennen. Es ist wichtig, sich mit Terzen und Notenlängen zu befassen. Allein schon wegen der Tatsache, dass du eventuell anderen Musikern erklären musst, was genau du eigentlich erreichen willst!

Soundbibliotheken / Samples – Effekte

Schrott klingt nach Schrott. Und das hört man leider auch direkt und immer wieder. Du kannst aus einem dreckig eingesampleten Piano keinen Steinberg-Flügel machen. Damit etwas klingt, wie ein Steinberg, muss es absolut professionell eingesampled worden sein und wirklich gut klingen. Das gilt auch für die abertausenden String-Libraries, die es dort draußen gibt. Wenn die Samples und Instrumente nicht gut klingen, können Effekte dies auch nicht retten. Es ist also total sinnlos, ein Mastering-Plugin zu kaufen, wenn deine Streicher klingen, als hätte die jemand beim Vorbeifahren aus dem Auto aufgenommen.

Richtiges Mikrofon wählen um Aufzunehmen

Wenn du eigene Samples machst oder sogar deinen Gesang richtig aufnehmen willst, brauchst du gutes Equipment. Für das Heimstudio lohnt sich zum Beispiel ein Shure SM75b (affiliate Link), weil das Mikrophon einfach auch unter schwierigen Bedingungen die Stimme klar und deutlich aufnimmt.

Falls du gute Raumakustik hast, kannst und solltest du über ein gutes Kondensatormikrofon nachdenken.

Smartphone-App, um Ideen aufzunehmen

Das Problem bei der Muse ist, dass sie zickig ist. Sie küsst einen nur in den denkbar ungünstigsten Momenten und meistens hat man nichts dabei, um diese Ideen aufzuzeichnen. Aber halt, dein Handy hast du im Normalfall immer dabei und oft sogar neben dem Bett im Schlafzimmer. Sing deine Ideen ein, sobald sie dir kommen. Dafür musst du nicht mal gut singen können, denn die Idee ist dann jedenfalls nicht verloren gegangen.

Schallisolierung, gute Monitore, RICHTIG gute Kopfhörer

Investiere in guten Raumklang. Im Schlafzimmer ist tatsächlich ein Bett eine gute Bass-Falle, aber es ist naiv zu glauben, dass du keine Schaumstoffplatten an den Wänden benötigst. Auch sind gute Studiomonitore ein Muss. Ich will hier gar nicht konkret Monitore empfehlen, man muss sich halt selbst die Dinger anhören. Ich selbst produziere zum Beispiel ausschließlich mit Kopfhörern. Ich verwende die AKG K240, die unter anderem auch von Dave Grohl verwendet werden. Die kosten sogar nur 60 Euro und klingen verdammt gut.

Pausen. Machen.

Pausen sind das Salz in der Suppe der Musikproduktion. Wenn du merkst, dass deine Ideen irgendwie nicht geil sind, mach eine Pause. Geh spazieren, mach den Kopf frei.

Speichern / Versionsmanagement

Viele DAWs bieten die Option, verschiedene Versionen von ein und demselben Projekt zu speichern. Bei Reaper nennt sich das SWS-Snapshots und kann als Plugin hinzugebucht werden. Alternativ kannst du natürlich auch deine Songs einfach als „supergeil_1.rns“ und „supergeil_2“ speichern, wenn es dir gefällt.

Songs fertig machen

Versuche immer, einen Song auch wirklich abzuschließen. Immerhin war die Idee ja mal gut genug, um ein paar Stunden damit zu „verschwenden“, also solltest du dir immer bewusst sein, dass das vielleicht der Hit überhaupt werden könnte.

Sei ein Dienstleister

Du machst nicht Musik nur für dich. Du machst im Normalfall Musik für Fans. Oder für Kunden. Klar ist, dass du deinen eigenen Stil hast, aber du solltest versuchen, deine Kunden oder Fans nicht zu sehr zu schockieren, in dem du immer nur an dich selbst denkst und wild durch absolut jedes Genre hüpft.

Effekte in Reihe schalten

Es kann sich lohnen, Effekte verschiedener Hersteller in Reihe hintereinander auf einem Bus abzuspielen. Ich mag zum Beispiel sehr gern, wenn hinter einem Delay (Echo) noch ein Reverb (Hall) kommt, der dem ganzen Sound noch mehr Tiefe gibt.

Setz dir selbst ein Limit von einer Stunde

Versuche, in dieser Stunde so viel vom Song zu produzieren, wie möglich. Auch hier geht’s um Auftragsarbeit. Es kann sein, dass du einen Werbespot innerhalb von 2 Tagen vertonen musst, also musst du in der Lage sein, in der ersten Stunde das Grundkonzept, dann das erste Layout und dann irgendwann das Arrangement zu machen. Eine Stunde ist hier als Richtwert zu verstehen.

Lautstärke ist dein Freund

Beim Mixing würde ich gar nicht mit EQ oder sogar Effekten anfangen, sondern mit der guten alten Lautstärkeregelung. Spiele mit den Reglern rum, fange bei „zu laut“ an und werde dann immer leiser, bis es einigermaßen gut klingt.

Vocals / Stimmen

Gesangsspuren bei Popsongs würde ich immer dreimal aufnehmen. Einmal wird die Stimme zentriert abgespielt, die beiden anderen Takes heftig nach links und rechts ausbalanciert. So kriegt der Gesang eine unfassbare Breite.

Doppelreverb

Ich lege auch immer gern 2 Reverb-Effekte auf die Vocals. Einen ziemlich kurzen, der unter 1 Sekunde geht, damit die Stimme breiter klingt und dann noch einen sehr schwachen, längeren Reverb, der der Stimme Tiefe verpasst.

Sing am Mikrophon vorbei, lass den Abstand aber so wie er ist.

Sänger:innen neigen dazu, beim lauten Singen mehr Abstand zum Mikrofon zu machen. Das ist scheisse, weil sich damit das Frequenzspektrum komplett verändert. Daher sollte man bei lauten Passagen den Abstand beibehalten und einfach links oder rechts knapp am Mike vorbei singen.

Halte dein Low-End sauber

In den Bassbereich gehört die Kick. Und der Bass. Und sonst nichts.

Akkorde kann man auch anders spielen

Normalerweise spielen wir ein C-Dur zum Beispiel durch drücken der Tasten C, E, G und das war’s. Angenommen, deine Klavierspur spielt das genau so. Was hindert dich daran, die begleitenden Streicher die Reihenfolge so zu spielen? G‘ C“ E“ ? Das sorgt für viel Variation und klingt halt auch einfach geiler.

Man kann bei einem EQ auch Frequenzen boostern

Alle möglichen Tutorials sagen dir, dass du per Filter und EQ Störfrequenzen rausnehmen sollst. Also ziehen die Leute bei einem EQ die Bänder weit nach unten. Es kann aber auch durchaus gewünscht sein, dass bestimmte Frequenzen richtig krass durchkommen.

Lerne von anderen

Wenn du geile Drums programmieren möchtest, nehm dir einen fertigen Drumloop und programmiere diesen Drumloop nach. So wird’s dein eigener und dank Midi hast du viel mehr Möglichkeiten, den Sound zu verändern und zu verbessern.

Übergangseffekte

Riser, Becken, Trommelwirbel. All diese Dinge, die von der Strophe zum Refrain eingesetzt werden können, sorgen für sehr viel Dynamik in deinem Song. Mach das, es kostet auch nicht viel Arbeit.

Fazit

Mit diesen 20 Tipps kannst du sofort und schnell ein besserer Produzent werden.

Bild von Thorsten Frenzel auf Pixabay

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